Schrottpreise
Schrottpreise: Methodik und Quellen
Jede Spanne im Preismonitor lässt sich nachrechnen. Hier steht, mit welchen Daten, welchen Formeln und in welchem Takt – und wo das Modell bewusst eine Lücke lässt.
Schrottgeier kauft keinen Schrott an und fragt nicht täglich Händler nach ihren Preisen. Die Schrottpreise im Preismonitor werden aus öffentlichen, dauerhaft verfügbaren Daten berechnet: Börsennotierungen der London Metal Exchange (LME), dem Referenzkurs der Europäischen Zentralbank und dem Erzeugerpreisindex des Statistischen Bundesamts. Diese Seite beschreibt jede Rechenstufe so, dass du sie nachvollziehen, prüfen und zitieren kannst.
Buntmetall
Börsennotierung in Euro umgerechnet, dann mit dem sortenspezifischen Faktor bewertet. Der Faktor bildet Ausbringung, Anhaftungen, Schmelzverluste und Handelsspanne ab und ist gegen reale Platzpreise kalibriert.
Legierungen
Messing und Edelstahl werden über ihre Leitmetallanteile bewertet – Kupfer und Zink beim Messing, Nickel beim Edelstahl.
V2A = 0,08·Ni
Eisen und Stahl
Stahlschrott wird nicht an der Börse gehandelt. Grundlage ist der amtliche Erzeugerpreisindex für Sekundärrohstoffe aus Eisen- und Stahlschrott.
Offene Punkte
V4A enthält rund 2,2 % Molybdän. Dafür fehlt noch eine belastbare Tagesnotierung, deshalb ist diese Zeile als unvollständig markiert statt geschätzt.
- BörseLME-Kassa- und 3-Monats-Notierungen über Westmetall, Stand 18.09.2026
- WährungEZB-Referenzkurs EUR/USD 1,1460 vom 18.09.2026
- StahlStatistisches Bundesamt, Erzeugerpreisindex GP09-383222000 (Anbindung ausstehend, bis dahin Referenzspanne vom Kalibrierungsstichtag)
- PLZOrtsauflösung im Formular: GeoNames (geonames.org), Lizenz CC BY 4.0
- KalibrierungReale Platzpreise deutscher Schrotthändler, Stichtag 16.09.2026
Alle Werte dieser Seite gibt es maschinenlesbar über die offene Schnittstelle – als JSON oder als Tabelle zum Herunterladen. Redaktionen finden Zitierhinweise, Grafiken und Logos auf der Presseseite.
Buntmetall: Börsenwert mal Faktor
Die Grundformel
Kupfer, Aluminium, Nickel, Zink, Blei und Zinn werden an der LME in US-Dollar je Tonne gehandelt. Grundlage ist die Kassanotierung, also der Preis für Lieferung in zwei Handelstagen. Sie wird in zwei Schritten zum Ankaufspreis:
Börsenwert €/kg = LME-Kassa (USD/t) ÷ EUR/USD ÷ 1.000 Ankauf €/kg = Börsenwert €/kg × Faktor
Der erste Schritt rechnet Dollar in Euro um – mit dem EZB-Referenzkurs, der angibt, wie viele US-Dollar ein Euro kostet – und Tonnen in Kilogramm. Der zweite Schritt wendet den sortenspezifischen Faktor an. Jede Sorte hat keinen einzelnen Faktor, sondern eine Spanne aus unterem und oberem Wert. Daraus entsteht die Ankaufsspanne in der Tabelle.
Was der Faktor abbildet
Die LME notiert Primärmetall in genormter Qualität. Zwischen dieser Notierung und dem Preis, den ein Schrottplatz für dein Material zahlen kann, liegen mehrere Abzüge. Der Faktor fasst sie zusammen:
- Ausbringung: wie viel reines Metall nach dem Einschmelzen tatsächlich übrig bleibt.
- Anhaftungen: Isolierung, Lack, Schrauben, Dichtungen und Schmutz, die mitgewogen, aber nicht bezahlt werden.
- Schmelzverluste: Metall, das beim Einschmelzen oxidiert und verloren geht.
- Handelsspanne des Platzes: Personal, Waage, Lager, Transport zur Hütte und das Kursrisiko bis zum Weiterverkauf.
Die Breite der Spanne zeigt, wie stark diese Posten zwischen einzelnen Plätzen und Anlieferungen schwanken. Kleinmengen landen regelmäßig am unteren Rand, sortenreine Behälterware mit Wiegeschein am oberen.
Kalibrierung gegen reale Platzpreise
Die Faktoren sind nicht geschätzt, sondern gegen reale Ankaufspreise deutscher Schrotthändler kalibriert. Stichtag der aktuellen Kalibrierung ist der 16.09.2026. Für jede Sorte wurden unterer und oberer Platzpreis dieses Tages durch den Börsenwert desselben Tages geteilt:
Faktor unten = Platzpreis unten ÷ Börsenwert am Stichtag Faktor oben = Platzpreis oben ÷ Börsenwert am Stichtag
Ab dem Stichtag bleiben die Faktoren fest, und die Spannen bewegen sich täglich mit LME und Wechselkurs. Die jeweils gültigen Faktoren stehen in der Spalte „Berechnungsbasis“ der Preistabelle.
Faktoren sind der einzige Teil des Modells, der menschliches Urteil braucht. Sie werden deshalb quartalsweise gegen aktuelle Platzpreise nachkalibriert. Geplant ist, dass gemeldete Ankaufspreise von Partnerbetrieben die Kalibrierung später ganz ersetzen. Dann wird aus dem abgeleiteten Monitor ein Marktbericht auf Basis echter Abrechnungen.
Legierungen
Legierungen haben keine eigene Börsennotierung. Sie werden über die Anteile ihrer Leitmetalle bewertet:
Basis Messing schwer = 0,60 × Börsenwert Kupfer + 0,40 × Börsenwert Zink Basis Edelstahl V2A = 0,08 × Börsenwert Nickel Basis Edelstahl V4A = 0,11 × Börsenwert Nickel (unvollständig)
Auf diese Basis wird wie bei reinen Metallen der Faktor angewendet. Die Anteile sind typische Modellwerte. Einzelne Legierungen weichen davon ab, etwa Messing mit Bleizusatz. Diese Abweichungen fängt der kalibrierte Faktor auf. Beim Edelstahl wird nur Nickel bewertet, weil es der teure, börsennotierte Legierungsbestandteil ist. Chrom und Eisen gehen ohne eigene Notierung in den Faktor ein.
Die offene Stelle: Edelstahl V4A
V4A (Werkstoff 1.4571) enthält rund 2,2 % Molybdän. Molybdän ist wertvoll, aber im Modell nicht enthalten, weil keine belastbare Tagesnotierung angebunden ist. Die Folge: Die Kalibrierung ergibt für V4A eine Faktorspanne, deren oberer Wert über 1,0 liegt – der Platz würde rechnerisch mehr zahlen, als das enthaltene Nickel wert ist. Das ist kein Rechenfehler, sondern das sichtbare Symptom der fehlenden Größe.
Deshalb ist die Zeile im Monitor als „Modell offen“ markiert. Sie wird nicht geschätzt und nicht geglättet. Eine ehrlich markierte Lücke ist für einen Monitor, der Nachvollziehbarkeit verspricht, mehr wert als eine glatte Zahl ohne Herkunft. Sobald eine belastbare Molybdän-Notierung angebunden ist, wird die Basis erweitert und die Markierung entfällt.
Eisen und Stahl: amtlicher Index statt Börse
Für deutschen Stahlschrott gibt es keine Börsennotierung, aus der sich Platzpreise ableiten lassen. Internationale Terminkontrakte auf Stahlschrott beziehen sich auf Importware in anderen Märkten und bilden weder deutsche Sorten noch deutsche Frachtwege ab. Eine Ableitung aus LME-Daten wäre hier schlicht falsch.
Grundlage für Stahl-Mischschrott und Bremsscheiben ist deshalb der amtliche Erzeugerpreisindex für Sekundärrohstoffe aus Eisen- und Stahlschrott, Destatis GP09-383222000. Er wird vom Statistischen Bundesamt monatlich veröffentlicht und ist über die Datenbank GENESIS-Online kostenlos abrufbar. Ergänzend fließen die monatlichen Sortennotierungen der Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen (BDSV) in die Einordnung ein.
Die am Stichtag kalibrierte Spanne wird mit der Indexentwicklung fortgeschrieben:
Spanne Monat m = Spanne am Stichtag × Index Monat m ÷ Index Stichtagsmonat
Der Takt ist monatlich, nicht täglich – und die Oberfläche weist das auch so aus. Ein Tageswert für Stahlschrott würde eine Genauigkeit vortäuschen, die es in diesem Markt nicht gibt.
Terminmarkt-Signal: Kassa gegen Dreimonatskurs
Neben der Kassanotierung veröffentlicht die LME für jedes Metall den Kurs für Lieferung in drei Monaten. Aus beiden berechnet der Monitor die prozentuale Abweichung:
Abweichung % = (Dreimonatskurs − Kassa) ÷ Kassa × 100
Die Abweichung wird nach festen Schwellen eingeordnet:
| Abweichung | Marktlage | Anzeige | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| unter −0,25 % | Backwardation | Verkaufsfenster | Sofort verfügbares Metall ist knapp und gefragter als späteres. |
| −0,25 bis +0,25 % | flach | Neutral | Keine klare Marktlage. |
| über +0,25 % | Contango | Abwarten | Der Markt bezahlt Lagerung und Finanzierung, also das Warten. |
Die Schwelle von 0,25 % trennt kleine, zufällige Abstände von einer erkennbaren Marktlage. Berechnet wird das Signal für Kupfer, Aluminium, Nickel, Zink, Blei und Zinn. Es beschreibt den Zustand am letzten Handelstag und ist ausdrücklich keine Prognose und keine Anlageberatung. Einordnung und Grenzen erklärt der Ratgeber LME-Kassa und Dreimonatskurs.
Aktualisierung, Historie und Quellen
Update-Takt
Einmal pro Handelstag, nach LME-Schluss, läuft die Aktualisierung in vier Schritten:
- Börse abrufen LME-Kassa- und Dreimonatsnotierungen für Kupfer, Aluminium, Nickel, Zink, Blei und Zinn.
- Wechselkurs abrufen EZB-Referenzkurs EUR/USD des Tages.
- Speichern Beide Werte mit Zeitstempel in die Datenbank schreiben.
- Rechnen Faktoren anwenden, Ankaufsspannen und Signal berechnen, Anzeige und Widget erneuern.
Einmal im Monat kommt der Destatis-Index dazu und aktualisiert die Eisensorten. Wann zuletzt gerechnet wurde, zeigt der Stand im Monitor: .
Die Historie wird nie überschrieben
Jeder Tageswert wird mit Zeitstempel gespeichert und bleibt stehen. Neue Daten kommen hinzu, alte werden nicht ersetzt. So entsteht eine Zeitreihe, die mit jedem Handelstag länger wird und auf der die Verlaufscharts beruhen. Wer eine Spanne von einem bestimmten Tag zitiert, kann sie später wiederfinden.
Was das Modell nicht kann
- Verbindliche Preise liefern – maßgeblich ist immer die Verwiegung und Einstufung am Platz.
- Regionale Unterschiede zwischen einzelnen Schrottplätzen abbilden.
- Sorten bewerten, die nicht in der Tabelle stehen, etwa Kabel, Rotguss oder Elektromotoren.
- Den Molybdänanteil von V4A berücksichtigen – siehe oben.
Quellen
- Börse: LME-Kassa- und Dreimonatsnotierungen für Cu, Al, Ni, Zn, Pb, Sn, veröffentlicht über Westmetall.
- Währung: Euro-Referenzkurs der Europäischen Zentralbank, EUR/USD.
- Stahl: Statistisches Bundesamt, Erzeugerpreisindex GP09-383222000, Sekundärrohstoffe aus Eisen- und Stahlschrott, über GENESIS-Online.
- Stahl ergänzend: BDSV, monatliche Sortennotierungen.
- Kalibrierung: reale Ankaufspreise deutscher Schrotthändler, Stichtag 16.09.2026.
Du darfst die Spannen mit Quellenangabe zitieren. Vorschlag: „Schrottgeier Preismonitor, schrottgeier.de/schrottpreise/, Stand [Datum]“. Für eine laufende Einbindung gibt es das kostenlose Widget auf der Seite Schrottpreise.
Häufige Fragen zur Methodik
Warum fragt ihr nicht einfach bei Schrotthändlern nach?
Weil einzelne Händlerpreise weder vollständig noch vergleichbar sind und sich nicht täglich prüfen lassen. Die Börsennotierung ist öffentlich, datiert und jederzeit nachrechenbar. Die Händlerpreise gehen trotzdem ein – über die Kalibrierung der Faktoren, die quartalsweise wiederholt wird.
Warum wird mit US-Dollar und dem EZB-Kurs gerechnet?
Die LME notiert in US-Dollar je Tonne. Für einen Euro-Preis muss umgerechnet werden, und der EZB-Referenzkurs ist die öffentliche, täglich veröffentlichte Standardgröße dafür. Deshalb kann sich dein Schrottpreis in Euro ändern, obwohl der Börsenkurs in Dollar gleich bleibt.
Wie genau sind die Spannen?
So genau wie ihre Kalibrierung. Am Stichtag decken sie die realen Platzpreise ab. Danach folgen sie der Börse. Verändern sich Handelsspannen oder Nachfrage bei den Plätzen, fällt das bei der nächsten quartalsweisen Nachkalibrierung auf. Für Einzelfälle bleibt die Spanne eine Orientierung, kein Angebot.
Darf ich die Zahlen auf meiner Website verwenden?
Ja, mit Quellenangabe und Link auf schrottgeier.de. Am einfachsten ist das kostenlose Widget, das sich selbst aktualisiert. Für eigene Auswertungen stehen dieselben Daten als JSON über /api/v1/preise bereit.
Weiter mit den Zahlen: Den Verlauf der letzten zwölf Monate zeigt die Preisentwicklung, zwischen €/kg, €/t und $/lb rechnet der Preisumrechner. Wer die Werte weiterverwenden will, findet sie als Preis-Widget, über die offene Schnittstelle und auf der Presseseite.