Ratgeber
Kabel abisolieren: Lohnt sich das?
Ob sich das Abisolieren lohnt, entscheidet eine einzige Rechnung: Wie viel Kupfer steckt drin, und wie lange brauchst du dafür? Hier rechnen wir sie durch.
Abisolieren lohnt sich bei dicken Kabeln mit hohem Kupferanteil und bei größeren Mengen – bei dünner Litze, Datenkabeln und Geräteschnüren fast nie. Der Grund ist einfach: Du bekommst für blankes Kupfer den vollen Kupferpreis, für Kabelschrott dagegen den Kupferwert abzüglich eines Abschlags für die Aufbereitung. Die Differenz ist dein Lohn für die Arbeit. Ob sich dieser Lohn rechnet, hängt nur davon ab, wie viele Kilo du pro Stunde schaffst. Was in keinem Fall geht: Kabel abbrennen. Das ist verboten, giftig – und macht das Kupfer obendrein weniger wert.
Die Rechnung: blank gegen Kabel am Stück
Beide Wege kannst du mit denselben zwei Zahlen vergleichen:
So rechnest du
Erlös blank = Kabelgewicht × Kupferanteil × Kupferpreis für blanken Draht (Millberry, aktuell 9,99–10,98 €/kg)
Erlös als Kabel = Kabelgewicht × Kabelpreis des Platzes für diesen Kabeltyp
Die Differenz geteilt durch die Stunden, die du brauchst, ist dein Stundenlohn. Stand der Preise: .
Wichtig für die erste Zahl: Nur sauber blanke, unverzinnte Adern gelten als Millberry. Angelaufene, verzinnte oder dünne Adern stuft der Platz niedriger ein, meist als Kupfer schwer (9,62–10,73 €/kg). Wer mühsam Fernmeldekabel schält und am Ende verzinnte Drähte in der Kiste hat, hat für die niedrigere Sorte gearbeitet.
Für die zweite Zahl gibt es keinen bundesweiten Notierungspreis. Schrottplätze leiten ihren Kabelpreis aus dem Kupferanteil ab und ziehen einen Abschlag für Schreddern, Trennen und Entsorgen der Isolierung ab. Erfahrungsgemäß liegt dieser Abschlag bei etwa einem Fünftel bis einem Drittel des rechnerischen Kupferwerts – gemessen haben wir das nicht, es ist eine Praxisspanne und je Platz unterschiedlich. Frag deshalb immer konkret nach dem Preis für deinen Kabeltyp, bevor du anfängst zu schneiden.
Kupferanteile je Kabeltyp
Die folgenden Anteile sind Erfahrungswerte aus der Praxis, keine gemessenen Größen. Sie schwanken mit Querschnitt, Aderzahl, Baujahr und Hersteller erheblich. Wiege im Zweifel ein Stück Kabel, isolier es ab und wieg das Kupfer nach – dann hast du deinen eigenen, belastbaren Wert.
| Kabeltyp | Kupferanteil (Erfahrungsspanne) | Abisolieren? |
|---|---|---|
| Dickes Erd- und Starkstromkabel, Kupfer | rund 40–60 % | lohnt meist |
| NYM-Installationskabel, größerer Querschnitt | rund 25–35 % | oft |
| NYM-Installationskabel, dünn (3 × 1,5 mm²) | rund 15–25 % | grenzwertig |
| Geräte- und Verlängerungsleitungen | rund 15–25 % | selten |
| Netzwerk- und Telefonkabel | rund 8–15 %, oft verzinnt | nein |
| Dünne Litze, Klingel-, Steuerleitungen | unter 15 % | nein |
| Aluminiumkabel | kein Kupfer | eigene Sorte, getrennt halten |
Aluminiumkabel sehen innen silbrig aus und sind auffällig leicht. Sie gehören nicht in die Kupferkiste – wie du sie sicher erkennst, steht im Ratgeber Metall bestimmen.
Rechne mit deinen eigenen Zahlen
Der Kabelrechner nimmt Kabeltyp und Menge und stellt beide Erlöse mit den aktuellen Preisen aus dem Preismonitor gegenüber. Er rechnet im Browser, es werden keine Daten übertragen.
Das Werkzeug braucht JavaScript. Die Zahlen dahinter stehen auch im Text dieser Seite.
Zeitaufwand: was deine Stunde bringen muss
Auch hier gilt: Erfahrungsspannen, keine Messwerte. Wie schnell du bist, hängt von Kabeltyp, Werkzeug und Übung ab.
- Mit dem Messer, dickes Kabel: Längs aufschlitzen und die Adern herausziehen geht zügig – erfahrungsgemäß einige Kilo pro Stunde.
- Mit dem Messer, dünne Installationskabel: deutlich langsamer, weil jede Ader einzeln dran ist.
- Mit einer Abisoliermaschine: ein Vielfaches davon, sobald das Kabel gerade und sortenrein durchläuft. Einrichten und Umstellen auf andere Querschnitte kostet aber Zeit.
Die entscheidende Frage ist nicht „geht das?“, sondern „was verdiene ich in der Zeit?“. Nimm den Mehrerlös aus der Rechnung oben, teile ihn durch deine geschätzte Arbeitszeit und vergleich das Ergebnis mit dem, was dir eine Stunde wert ist. Bei einer Handvoll Kabelresten fällt die Antwort fast immer gegen das Abisolieren aus – bei einem Anhänger voll Starkstromkabel fast immer dafür.
Werkzeug: Messer, Zange, Maschine
- Kabelmesser oder Teppichmesser mit Hakenklinge: das Standardwerkzeug. Immer vom Körper weg schneiden, Handschuhe an, Kabel fixieren.
- Abisolierzange: sinnvoll für Einzeladern und kurze Stücke, für Mengen zu langsam.
- Handkurbel-Abisolierer: günstig, Klingenabstand einstellbar, spürbar schneller als das Messer. Die realistische Einstiegsstufe.
- Elektrische Abisoliermaschine: rechnet sich erst, wenn regelmäßig größere Mengen anfallen. Faustregel zum Selbstrechnen: Der Anschaffungspreis muss durch den Mehrerlös pro Kilo wieder hereinkommen – bei einem Mehrerlös im Bereich von unter einem Euro je Kilo sind das schnell mehrere hundert Kilo Kabel. Wer einmal im Jahr eine Kiste Kabel hat, kauft besser keine Maschine.
Was nicht geht: Kabel verbrennen
Abbrennen ist verboten – und wertmindernd
Abfälle dürfen in Deutschland nur in dafür zugelassenen Anlagen behandelt werden (§ 28 Kreislaufwirtschaftsgesetz). Das Abbrennen von Kabeln im Garten, in der Tonne oder im Feuerkorb ist damit unzulässig und wird als Ordnungswidrigkeit verfolgt, in schweren Fällen auch strafrechtlich.
Dazu kommt die Gesundheit: Beim Verbrennen von PVC-Isolierungen entstehen Chlorwasserstoff sowie Dioxine und Furane. Das ist kein Lagerfeuerrauch, den man mal einatmet.
Und es lohnt sich nicht einmal: Verbranntes Kupfer ist verzundert und mit Rückständen behaftet. Der Platz stuft es als minderwertige Sorte ein oder nimmt es gar nicht an. Du machst dir also mit Aufwand und Risiko das Material kaputt.
Dieser Hinweis ersetzt keine Rechtsberatung.
Wann du es besser sein lässt
- Dünne Litze und Steuerleitungen: viel Isolierung, wenig Kupfer, hoher Zeitaufwand je Kilo.
- Netzwerk- und Telefonkabel: feine, oft verzinnte Adern – der Ertrag landet ohnehin in der niedrigeren Sorte.
- Kabel mit Stecker und Elektronik dran: Stecker abschneiden ist schnell erledigt, mehr lohnt sich nicht.
- Kabel aus Elektrogeräten: Elektroaltgeräte aus Privathaushalten gehören vollständig zur Rückgabestelle und werden nicht ausgeschlachtet – siehe Elektroschrott.
- Bleimantel- und Ölkabel aus alten Anlagen: Finger weg, das ist ein Fall für den Fachbetrieb.
Der praktischste Rat zum Schluss: Sortier die Kabel erst nach Typ, bevor du schneidest – dicke zu dicken, dünne zu dünnen, Alu getrennt. Das bringt oft mehr als stundenlanges Schälen, weil der Platz eine sortenreine Partie höher einstuft.
Häufige Fragen zum Abisolieren
Bekomme ich für abisoliertes Kupfer immer den Millberry-Preis?
Nur für sauber blanke, unverzinnte und unbeschädigte Adern. Verzinnte, angelaufene oder sehr dünne Drähte werden als Kupfer schwer oder niedriger eingestuft. Die aktuellen Spannen findest du unter Kupferpreise.
Ab welcher Menge lohnt sich eine Abisoliermaschine?
Wenn der Mehrerlös je Kilo den Anschaffungspreis wieder einspielt. Rechne das mit deinem eigenen Kabeltyp durch: Anschaffungspreis geteilt durch Mehrerlös je Kilo ergibt die Kilomenge, ab der sich die Maschine trägt. Bei gelegentlichen Kleinmengen lohnt sie sich nicht.
Nimmt der Schrotthändler Kabel auch ungeschält an?
Ja, die meisten Plätze führen Kabelschrott als eigene Sorte, oft nach Typ getrennt. Frag vorher nach dem Preis für deinen Kabeltyp – daraus ergibt sich, ob sich die Arbeit überhaupt lohnt.
Darf ich Kabel abbrennen, wenn es nur wenige sind?
Nein. Die Behandlung von Abfällen außerhalb zugelassener Anlagen ist unzulässig, unabhängig von der Menge. Beim Verbrennen von PVC entstehen Dioxine und Furane, und das verzunderte Kupfer wird schlechter eingestuft oder abgelehnt.
Wie viel Kupfer steckt in einem Kabel?
Das hängt stark vom Typ ab. Dicke Erdkabel liegen erfahrungsgemäß bei rund 40–60 %, dünne Installationskabel bei rund 15–25 %, Datenkabel darunter. Verlässlich wird es erst, wenn du ein Probestück abisolierst und das Kupfer wiegst.
Lohnt es sich, nur die Stecker abzuschneiden?
Oft ja. Stecker und Gehäuseteile sind Ballast, den du mitwiegst, aber nicht bezahlt bekommst. Das Abschneiden geht schnell und verbessert die Einstufung, ohne dass du das ganze Kabel schälen musst.
Quellen: Kupferanteile je Kabeltyp und Zeitaufwände sind gekennzeichnete Erfahrungsspannen aus der Praxis, keine gemessenen Werte; rechtlicher Rahmen: § 28 Kreislaufwirtschaftsgesetz (Behandlung von Abfällen nur in zugelassenen Anlagen); Preise: Preismonitor schrottgeier.de, Stand , Rechenweg unter Methodik.
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