Ratgeber
V2A oder V4A? So erkennst du den Unterschied
V4A wird besser bezahlt als V2A – aber nur, wenn jemand nachweisen kann, dass es V4A ist. Hier steht, woran du dich orientieren kannst und wo die Hausmittel an ihre Grenze kommen.
Der Unterschied zwischen V2A und V4A ist ein Legierungselement: Molybdän. V2A (Werkstoffnummer 1.4301, international AISI 304) besteht im Kern aus Eisen, rund 18 % Chrom und rund 8–10 % Nickel. V4A (1.4571 oder 1.4404, international AISI 316Ti bzw. 316L) hat zusätzlich rund 2–2,5 % Molybdän und etwas mehr Nickel. Dieses Molybdän macht den Stahl beständig gegen Chloride – also gegen Salzwasser, Streusalz, Schwimmbadluft und viele Säuren. Deshalb bringt V4A beim Schrotthändler mehr. Und deshalb ist die ehrliche Antwort auf „Wie erkenne ich das?“ zweigeteilt: Du kannst dich mit Kennzeichnung und Einsatzort gut herantasten, sicher unterscheiden lassen sich beide aber nur mit einem Analysegerät.
Werkstoffnummern und Kurznamen: welche Zahl steht wofür
„V2A“ und „V4A“ sind keine Normbezeichnungen, sondern alte Werksnamen (Versuchsschmelze Austenit 2 und 4). Auf Bauteilen, Lieferscheinen und Zeichnungen stehen deshalb meistens Werkstoffnummern nach DIN EN 10088. Die wichtigsten:
| Werkstoff-Nr. | Kurzname | Gruppe | Besonderheit | Typische Anwendung |
|---|---|---|---|---|
| 1.4301 | X5CrNi18-10 (AISI 304) | V2A | Standard-Edelstahl, kein Molybdän | Spülen, Küchen- und Gastrotechnik, Geländer, Behälter |
| 1.4307 | X2CrNi18-9 (AISI 304L) | V2A | kohlenstoffarm, gut schweißbar | Rohrleitungen, Schweißkonstruktionen, Apparatebau |
| 1.4401 | X5CrNiMo17-12-2 (AISI 316) | V4A | mit Molybdän | Chemie, Lebensmittelbetriebe, Fassaden in Küstennähe |
| 1.4404 | X2CrNiMo17-12-2 (AISI 316L) | V4A | Molybdän, kohlenstoffarm | Schweißteile in Chemie, Pharma, Molkerei |
| 1.4571 | X6CrNiMoTi17-12-2 (AISI 316Ti) | V4A | Molybdän, mit Titan stabilisiert | Schwimmbad, Bootsbau, Wärmetauscher, Chemieanlagen |
| 1.4016 | X6Cr17 (AISI 430) | weder noch | ferritisch, ohne Nickel, magnetisch | Blechverkleidungen, Besteck „18/0“, Haushaltsgeräte |
Die letzte Zeile ist für den Schrottwert die wichtigste Falle: 1.4016 ist rostfrei, sieht aus wie Edelstahl, enthält aber kein Nickel. Der Ankaufspreis für Edelstahl hängt fast vollständig am Nickel – ferritischer Chromstahl in der V2A-Kiste zieht deshalb die ganze Partie nach unten. Wie der Preis aus der Nickelnotierung entsteht, steht unter Edelstahlpreise.
Bei Schrauben gilt eine eigene Kennzeichnung nach DIN EN ISO 3506: A2 entspricht der V2A-Gruppe, A4 der molybdänlegierten V4A-Gruppe. Auf Besteck und Töpfen findest du oft „18/10“ – das sind die Anteile Chrom und Nickel und steht für V2A-Qualität, nicht für V4A.
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Warum V4A mehr bringt
Zwei Gründe, und beide hängen an der Legierung. Erstens enthält V4A mehr Nickel als V2A – und Nickel ist das Metall, das den Edelstahlpreis trägt. Zweitens sind rund 2–2,5 % Molybdän enthalten, ein eigenständig wertvolles Legierungsmetall. Ein Stahlwerk, das eine Charge V4A einschmilzt, spart sich damit teure Legierungszusätze.
Voraussetzung ist allerdings, dass die Partie sortenrein ist und der Platz das auch feststellen kann. Wandert V4A unsortiert in den V2A-Container, wird es als V2A bezahlt – der Aufpreis ist dann weg. Umgekehrt nimmt kein Händler dir „das ist bestimmt V4A“ ab, weil er die Fehlcharge im Stahlwerk bezahlen müsste.
Im Preismonitor liegt V2A aktuell bei 0,60–0,75 €/kg, Stand . Für V4A zeigen wir eine Orientierung, die ausdrücklich als „Modell offen“ markiert ist: Unser Modell rechnet die Legierungen über ihre Leitmetallanteile, und für Molybdän fehlt uns bisher eine belastbare Tagesnotierung. Lieber eine sichtbar markierte Lücke als eine glatte erfundene Zahl – die Begründung steht in der Methodik.
Der Magnettest: was er zeigt und was nicht
Der Magnettest ist der bekannteste Trick – und er wird ständig falsch erklärt. Was wirklich dahintersteckt: V2A und V4A sind beide austenitische Edelstähle. Das Gefüge Austenit ist nicht ferromagnetisch, deshalb haftet ein Magnet an beiden im Normalzustand kaum oder gar nicht.
- Magnet haftet stark, Teil rostet: normaler Stahl oder Guss. Kein Edelstahl.
- Magnet haftet stark, Teil rostet nicht: sehr wahrscheinlich ferritischer Chromstahl wie 1.4016 – nickelfrei und deutlich weniger wert.
- Magnet haftet kaum oder gar nicht: austenitischer Edelstahl, also V2A oder V4A. Weiter kommst du mit dem Magneten nicht.
- Magnet haftet stellenweise leicht: normal. An Biegekanten, Schnittkanten, Gewinden, tiefgezogenen Ecken und Schweißnähten entsteht durch Kaltverformung ein Gefügeanteil, der magnetisch ist. Das Teil ist deswegen kein schlechterer Edelstahl.
Der Magnettest trennt Edelstahl von Stahl – nicht V2A von V4A
Beide Sorten sind austenitisch und damit im Ausgangszustand praktisch unmagnetisch. Wer behauptet, V4A sei „magnetischer“ oder „unmagnetischer“ als V2A, verkauft dir eine Legende. Mit Magnet allein kannst du die beiden nicht auseinanderhalten.
Kennzeichnung, Einsatzort, Analyse: die drei verlässlichen Wege
1. Kennzeichnung und Papiere
Der sicherste Weg ohne Technik. Such am Bauteil nach eingeprägten oder aufgedruckten Werkstoffnummern, bei Rohren und Blechen oft auf der Längsseite. Bei Schrauben steht A2 oder A4 auf dem Kopf. Bei ausgebauter Technik aus Betrieben gibt es häufig noch Abnahmeprüfzeugnisse, Anlagendokumentation oder Lieferscheine – wer die mitbringt, hat beim Händler ein echtes Argument.
2. Einsatzort als Indiz
Kein Beweis, aber eine gute Vorsortierung. V4A wird dort verbaut, wo Chloride oder Säuren angreifen:
- Schwimmbad und Therme (Halle, Beckenumgang, Befestigungen)
- Küste, Hafen, Bootsbau, Offshore
- Chemie, Pharma, Galvanik, Kläranlagen
- Lebensmittel- und Molkereitechnik, Großküchen mit Reinigungschemie
- Wärmetauscher, Rohrbündel, Behälter mit aggressivem Medium
- Fassaden- und Befestigungsteile im Außenbereich mit Streusalzkontakt
Typisches V2A-Umfeld ist dagegen alles Trockene und Häusliche: Spülen, Arbeitsplatten, Geländer, Abzugshauben, Möbelgestelle, Gastro-Regale, Töpfe.
3. Analyse per RFA
Der einzige sichere Weg. Größere Schrottplätze und Metallhändler prüfen mit einem mobilen Röntgenfluoreszenz-Analysegerät (RFA): Es wird auf die blanke Stelle gehalten und zeigt nach wenigen Sekunden die Legierungsanteile an – Chrom, Nickel, Molybdän. Damit ist die Frage V2A oder V4A in einem Zug beantwortet. Frag beim Platz vorher nach, ob er ein Handgerät hat; bei einer größeren Menge Edelstahl lohnt sich die Fahrt zu einem Händler, der misst, fast immer.
Was du dir sparen kannst
Funkenprobe, Säuretropfen aus dem Internet oder „Klangtest“ sind bei austenitischen Edelstählen entweder unzuverlässig oder gefährlich. Einen Molybdännachweis gibt es zwar als chemischen Tüpfeltest, aber die Handhabung der Reagenzien ist nichts für den Hof. Halte die Teile lieber getrennt und lass am Platz messen.
Was ist das für ein Metall?
Wenn du dir schon beim Metall selbst nicht sicher bist – Edelstahl, Alu, Zink oder verchromter Stahl –, hilft dir der Metallcheck weiter. Er führt dich über Magnet, Farbe, Gewicht und Klang zum wahrscheinlichsten Metall und zeigt gleich die aktuelle Preisspanne dazu.
Das Werkzeug braucht JavaScript. Die Zahlen dahinter stehen auch im Text dieser Seite.
Häufige Fragen zu V2A und V4A
Ist V2A oder V4A magnetisch?
Beide sind austenitisch und damit im Normalzustand praktisch nicht magnetisch. Kaltverformte Stellen wie Biegekanten, Gewinde oder Tiefziehecken können leicht am Magneten haften – bei V2A genauso wie bei V4A. Der Magnettest trennt Edelstahl von normalem Stahl, aber nicht V2A von V4A.
Ist 1.4301 V2A oder V4A?
1.4301 ist V2A, international AISI 304. V4A sind die molybdänlegierten Sorten 1.4401, 1.4404 und 1.4571 (AISI 316, 316L, 316Ti).
Was ist der Unterschied zwischen A2 und A4?
Die Kennzeichnung nach DIN EN ISO 3506 für Schrauben und Muttern: A2 entspricht der V2A-Gruppe, A4 der V4A-Gruppe mit Molybdän. A4-Schrauben werden dort eingesetzt, wo Salz oder Chemie angreifen.
Ist V4A besser als V2A?
Beständiger gegen Chloride und Säuren, ja – deshalb wird V4A dort verbaut, wo V2A Lochfraß bekommen würde. Für trockene Innenanwendungen ist V2A völlig ausreichend und günstiger. Im Schrott wird V4A besser bezahlt, wenn die Sorte belegt ist.
Wie viel mehr bringt V4A beim Schrotthändler?
Mehr als V2A, weil zusätzlich Molybdän und mehr Nickel drinstecken. Eine feste Zahl nennen wir nicht: Für Molybdän fehlt uns eine belastbare Tagesnotierung, deshalb ist die V4A-Zeile im Preismonitor als „Modell offen“ markiert. Die aktuelle V2A-Spanne findest du unter Edelstahlpreise.
Lohnt es sich, V2A und V4A selbst zu trennen?
Ja, wenn du die Herkunft kennst – etwa Schwimmbadtechnik oder Chemieanlagen getrennt vom Küchenschrott. Unsortiert wird die ganze Partie als V2A eingestuft. Rate aber nicht: Eine als V4A deklarierte Kiste, die sich in der Messung als V2A entpuppt, kostet Vertrauen.
Quellen: Werkstoffnummern und Kurznamen nach DIN EN 10088-1 (Nichtrostende Stähle – Verzeichnis); Schraubenkennzeichnung A2/A4 nach DIN EN ISO 3506; Legierungsanteile als Richtwerte der jeweiligen Normspannen; Preise: Preismonitor schrottgeier.de, Stand , Rechenweg unter Methodik.
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