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Ist Edelstahl magnetisch? Es kommt auf die Sorte an

„Edelstahl ist nicht magnetisch“ stimmt nur für einen Teil der Sorten. Hier steht, welche Edelstähle am Magneten haften, warum auch V2A manchmal hängen bleibt und was der Magnet beim Verkauf wirklich verrät.

6 Minuten Lesezeit Aktualisiert am Redaktion Schrottgeier

Ob Edelstahl magnetisch ist, hängt von seinem Gefüge ab, also davon, wie die Atome im Metall angeordnet sind. Austenitischer Edelstahl – dazu gehören V2A und V4A – ist im Normalzustand nicht oder kaum magnetisch. Ferritischer und martensitischer Edelstahl dagegen haftet kräftig am Magneten, obwohl er genauso rostfrei ist. Und dann gibt es die Grauzone: Auch V2A wird durch Kaltumformung stellenweise magnetisch, an Biegekanten, Gewinden, gezogenen Ecken und Schweißnähten kann ein Magnet deshalb leicht haften. „Haftet“ oder „haftet nicht“ allein sagt also noch nicht, ob du Edelstahl vor dir hast – aber zusammen mit dem Blick auf die Sorte eine ganze Menge.

Die Gefügearten im Überblick

Edelstahl ist Eisen mit mindestens 10,5 % Chrom. Je nachdem, was noch dazukommt – vor allem Nickel und Kohlenstoff –, bildet sich ein anderes Gefüge. Und das entscheidet über den Magnetismus.

GefügeBeispiele (Werkstoff-Nr.)Am Magnet?Typisch für
Austenitisch (Chrom-Nickel)1.4301 (V2A), 1.4404 (V4A)nein bis schwach; kaltverformte Stellen und Nähte stärkerSpülen, Geländer, Küchen- und Gastrotechnik, Behälter
Ferritisch (Chrom, ohne Nickel)1.4016ja, kräftigBlechverkleidungen, Haushaltsgeräte, Besteck „18/0“
Martensitisch (Chrom mit mehr Kohlenstoff, härtbar)1.4021ja, kräftigharte, verschleißfeste Teile, etwa Klingen und Schneiden
Duplex (austenitisch-ferritisch)1.4462ja, durch den FerritanteilAnlagen-, Behälter- und Rohrleitungsbau

Der Grund für den Unterschied: Das ferritische Gefüge ist dasselbe, in dem auch normales Eisen bei Raumtemperatur vorliegt – und das ist ferromagnetisch. Nickel sorgt dafür, dass der Stahl ein anderes, austenitisches Gefüge behält, und dieses ist nicht ferromagnetisch. Deshalb ist ausgerechnet das Nickel, selbst ein magnetisches Metall, der Grund, warum V2A kaum am Magneten haftet. Die Physik dahinter in einfachen Worten findest du unter Welche Metalle sind magnetisch?

Warum V2A manchmal doch am Magnet haftet

Das überrascht viele, ist aber gut untersucht und kein Zeichen für schlechtes Material. Zwei Effekte sind verantwortlich:

Die Sorten reagieren dabei unterschiedlich stark. Höher legierte austenitische Stähle mit mehr Nickel neigen weniger dazu, durch Verformung magnetisch zu werden. Aber auch das ist kein Unterscheidungsmerkmal, das du am Schrotthaufen nutzen kannst – dafür sind die Unterschiede zu fein und hängen zu sehr davon ab, wie das Teil verarbeitet wurde. Wer den Magnetismus wieder loswerden will, braucht übrigens eine Wärmebehandlung im Werk, das sogenannte Lösungsglühen. Für den Schrottwert spielt das keine Rolle.

Die Faustregel für den Magnettest

Teste Edelstahl immer an einer flachen, unverformten Stelle, nicht an Kanten, Gewinden oder Nähten. Fällt der Magnet dort ab und haftet nur an der Kante leicht, ist es mit großer Wahrscheinlichkeit austenitischer Edelstahl. Haftet er überall kräftig, ist es ferritischer oder martensitischer Chromstahl – oder verchromter Stahl, der rostet, sobald die Schicht beschädigt ist.

Magnetischer Edelstahl im Alltag

Ob ein Gegenstand magnetisch ist, verrät oft schon, wofür er gebaut wurde:

Was das für den Schrottpreis heißt

Beim Edelstahl bezahlt der Markt fast ausschließlich das enthaltene Nickel. Genau hier wird der Magnet interessant: Kräftig haftender, rostfreier Chromstahl ist in der Regel ferritisch oder martensitisch und enthält kein oder kaum Nickel. Er bringt deutlich weniger als V2A und gehört nicht in die V2A-Kiste, sonst drückt er die Einstufung der ganzen Partie. Wie der Edelstahlpreis aus der Nickelnotierung entsteht, erklärt die Seite Edelstahl Schrottpreis.

Aktuell liegt V2A im Preismonitor bei 0,61–0,75 €/kg, Stand .

Nicht magnetisch heißt nicht automatisch V4A

Ein verbreiteter Irrtum: „Der Magnet fällt ab, also ist es V4A.“ Stimmt nicht. V2A und V4A sind beide austenitisch und verhalten sich am Magneten praktisch gleich. Der Magnet trennt Chrom-Nickel-Stahl von nickelfreiem Chromstahl, aber nicht V2A von V4A.

Wie du V2A und V4A tatsächlich auseinanderhältst – über Werkstoffnummern, Einsatzort und die Messung beim Händler –, steht ausführlich im Ratgeber V2A oder V4A erkennen.

V2A und V4A: Was den Unterschied machtV2A · 1.4301Eisen ~72 %Chrom ~18 %Nickel ~10 %Innenbereich, Küche, GeländerV4A · 1.4571Eisen ~67 %Chrom ~17 %Nickel ~12 %Molybdän ~4 %Meerwasser, Chemie, SchwimmbadMolybdän macht V4A beständiger gegen Chloride – und ist der Grund für den höheren Preis.Sicher unterscheiden lässt sich beides nur mit einem Analysegerät am Platz.
Der Molybdänanteil macht V4A beständiger und wertvoller.
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Für den Verkauf reicht deshalb eine einfache Sortierung: kräftig magnetischer Chromstahl auf einen Haufen, nicht oder nur an Kanten magnetischer Edelstahl auf den anderen, Teile aus Schwimmbad, Chemie oder Küstennähe getrennt halten. Anhaftungen wie Stahlschrauben, Dämmmatten und Kunststoff entfernen, dann weiß der Fachbetrieb sofort, womit er es zu tun hat. Wenn du nicht sicher bist, ob überhaupt Edelstahl vor dir liegt, hilft der Ratgeber Metall bestimmen.

Häufige Fragen: Ist Edelstahl magnetisch?

Ist Edelstahl magnetisch oder nicht?

Beides kommt vor. Austenitischer Edelstahl wie V2A und V4A ist im Normalzustand nicht oder kaum magnetisch. Ferritischer, martensitischer und Duplex-Edelstahl ist magnetisch. Alle sind rostfrei.

Ist V2A magnetisch?

An flachen, unverformten Stellen kaum. An Biegekanten, Gewinden, tiefgezogenen Ecken und Schweißnähten kann V2A leicht magnetisch sein, weil sich durch Kaltverformung ein magnetischer Gefügeanteil bildet und Schweißnähte etwas Ferrit enthalten.

Ist 1.4301 magnetisch?

1.4301 ist der Standard-V2A und austenitisch – im lösungsgeglühten Zustand praktisch nicht magnetisch. Nach Kaltumformung kann er stellenweise leicht am Magneten haften.

Ist magnetischer Edelstahl minderwertig?

Als Werkstoff nicht – ferritische und martensitische Edelstähle haben ihre eigenen Einsatzgebiete, etwa für Induktionsböden oder harte Klingen. Beim Schrotthändler bringt nickelfreier Chromstahl aber deutlich weniger als V2A, weil der Preis am Nickel hängt.

Warum haftet der Magnet an meiner Spüle nur am Rand?

Weil der Rand beim Tiefziehen und Kanten stark verformt wurde. Dabei wandelt sich ein Teil des austenitischen Gefüges in magnetischen Verformungsmartensit um. Die flache Fläche bleibt unmagnetisch – das Material ist trotzdem normaler V2A.

Kann ich mit dem Magneten V2A und V4A unterscheiden?

Nein. Beide sind austenitisch und reagieren am Magneten gleich. Sicher trennt die beiden nur die Werkstoffnummer oder eine Messung beim Händler, siehe V2A oder V4A.

Quellen: Informationsstelle Edelstahl Rostfrei, Merkblatt 827 „Magnetische Eigenschaften nichtrostender Stähle“, 1. Auflage 2013 (Gefügegruppen und Magnetverhalten; Zuordnung 1.4301 und 1.4404 austenitisch, 1.4016 ferritisch, 1.4021 martensitisch, 1.4462 austenitisch-ferritisch; Verformungsmartensit, Deltaferrit, Lösungsglühen); Definition nichtrostender Stähle (mindestens 10,5 % Chrom) und Werkstoffnummern nach DIN EN 10088-1; Schraubenkennzeichnung A2/A4 nach DIN EN ISO 3506; Preise: Preismonitor schrottgeier.de, Stand , Rechenweg unter Methodik.

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