Ratgeber
Gold in Elektroschrott: Was wirklich drin steckt
Ja, in Elektronik steckt Gold. Nein, im Keller lässt sich daraus kein Geschäft machen. Was dran ist an den Videos – und warum die Chemie davon der gefährlichste Teil ist.
In fast jedem elektronischen Gerät steckt Gold – aber in hauchdünnen Schichten auf Kontaktflächen, nicht in Klümpchen. Vergoldet werden Steckverbinder, Kontaktfedern und Anschlussflächen auf Leiterplatten, weil Gold nicht anläuft und damit über Jahre zuverlässig Strom leitet. Genau dafür reicht eine Schicht, die dünner ist als ein Haar. Für Privatleute folgt daraus die unbequeme Wahrheit: Das Ausschlachten einzelner Geräte lohnt sich praktisch nie. Der Aufwand ist hoch, die Ausbeute pro Gerät winzig, und die chemischen Verfahren aus Internetvideos sind gefährlich und für Privatpersonen keine Option. Der sinnvolle Weg für Altgeräte ist der Wertstoffhof oder die Rücknahme im Handel – dort landen sie in einer Verwertung, die genau diese Metalle im großen Maßstab zurückgewinnt.
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Wo die Edelmetalle tatsächlich sitzen
Edelmetalle werden in Elektronik nicht aus Luxus verbaut, sondern wegen ihrer Eigenschaften. Sie sitzen deshalb immer dort, wo es auf sichere Kontakte ankommt:
- Steckverbinder und Kontaktstifte. Die goldfarbenen Pins an Steckplätzen und Speichermodulen sind vergoldet, weil sie sich nicht mit einer isolierenden Oxidschicht überziehen dürfen.
- Kontaktflächen auf Leiterplatten. Die Randkontakte von Steckkarten und viele Anschlussflächen tragen eine dünne Goldauflage über einer Nickelschicht.
- Bonddrähte im Inneren. In Prozessoren und Chips verbinden feinste Drähte den Halbleiter mit den Anschlüssen.
- Silber und Palladium. Silber steckt in Lötstellen, Schaltkontakten und Leitpasten, Palladium in bestimmten Kondensatoren. Beides ist mengenmäßig oft bedeutsamer als das Gold, fällt aber ebenso fein verteilt an.
Entscheidend ist die Verteilung: Die Edelmetalle liegen nicht als Stück vor, sondern als Beschichtung, Draht oder Beimischung – fest verbunden mit Kupfer, Nickel, Zinn, Kunststoff und Keramik. Genau das macht das Trennen aufwendig. Was im Groben drinsteckt und zählt, ist Kupfer: in Wicklungen, Kabeln und Leiterbahnen, siehe Kupfer und Kabelschrott.
Warum die Mengen je Gerät so klein sind
Gold ist teuer, und Hersteller verbauen kein Gramm mehr davon, als die Funktion verlangt. Über die Jahrzehnte wurden die Schichten dünner und die Flächen sparsamer belegt. Ältere Technik enthält je Platine mehr Edelmetall als aktuelle Geräte – und trotzdem ging es auch damals um Bruchteile eines Gramms.
Belastbare Zahlen je Gerätetyp stehen hier bewusst nicht. Sie schwanken zwischen Hersteller, Baujahr und Bauteil so stark, dass jeder genannte Wert für dein konkretes Gerät falsch wäre. Was sich seriös sagen lässt: Die Gewinnung lohnt sich erst im industriellen Maßstab, wenn Tonnen gleichartiger Platinen zusammenkommen, aufbereitet und in einer Hütte verarbeitet werden. Genau so funktioniert Elektronikrecycling – und deshalb ist die Abgabe deines Altgeräts kein Wegwerfen, sondern der Einstieg in genau diesen Kreislauf.
Warum Ausschlachten für Privatleute fast nie lohnt
Rechne es gegen, bevor du den Schraubendreher ansetzt:
- Zeit. Zerlegen, Platinen ausbauen, Kontakte trennen: Gemessen an der Ausbeute ist das der schlechteste Stundenlohn, den man sich aussuchen kann.
- Ausbeute. Was an einer einzelnen Platine hängt, ist eine Beschichtung. Ohne chemische oder metallurgische Aufbereitung kommst du daran gar nicht heran – und beides ist nichts für den Hobbykeller.
- Gerätewert. Ein funktionierendes Gerät ist als Gerät meistens mehr wert als sein Materialgehalt. Ein brauchbares Notebook oder Smartphone verkaufst oder verschenkst du besser, statt es zu zerlegen.
- Restwert. Was nach dem Zerlegen übrig bleibt, ist kein sortenreiner Schrott, sondern ein Gemisch. Am Schrottplatz bringt es dir keine bessere Einstufung – warum, steht im Ratgeber Zum Schrottplatz fahren.
Es gibt eine Ausnahme, und die betrifft nicht das Gold: Größere Mengen Kupfer aus Kabeln, Trafos oder Motorwicklungen können sich lohnen, wenn sie ohnehin anfallen und sauber zu trennen sind. Ob das in deinem Fall aufgeht, rechnet der Kabelrechner im Ratgeber Kabel abisolieren durch. Alles, was an einem Gerät mit Netzteil, Akku oder Batterie hängt, bleibt davon unberührt.
Finger weg von Säure- und Laugenverfahren aus Internetanleitungen
Die Videos, in denen Platinen in Flüssigkeiten aufgelöst werden, zeigen den gefährlichsten Teil dieses Themas. Die dabei verwendeten starken Säuren, Laugen und Oxidationsmittel verursachen schwere Verätzungen an Haut und Augen und setzen giftige Dämpfe frei, die in geschlossenen Räumen lebensgefährlich sind. Die entstehenden Lösungen enthalten Schwermetalle, sind Sonderabfall und dürfen nicht ins Abwasser, in den Gully oder in den Boden gelangen. Dazu kommt: Wer Edelmetalle gewerblich zurückgewinnt, braucht eine genehmigte Anlage. Deshalb steht hier keine Anleitung – und wir raten ausdrücklich davon ab.
Der richtige Weg für Altgeräte
Elektroaltgeräte gehören zum kommunalen Wertstoffhof oder in die Rücknahme im Handel. Beides ist für Privathaushalte kostenlos; größere Elektrohändler nehmen kleine Geräte unabhängig von einem Neukauf zurück, große beim Kauf eines gleichartigen Neugeräts. Von dort gehen sie in eine Behandlungsanlage, in der Schadstoffe entfernt und die Wertstoffe in einem Maßstab zurückgewonnen werden, in dem es sich technisch überhaupt rechnet.
Bevor du etwas abgibst: Daten löschen, Akkus und Batterien herausnehmen und getrennt abgeben, wenn sie sich ohne Werkzeug entnehmen lassen. Wohin genau was gehört, klärt der Vergleich Wertstoffhof oder Schrotthändler, die Einordnung der Gerätearten der Ratgeber Elektroschrott: Was dazugehört und wohin damit. Reiner Metallschrott ohne Elektronik ist davon nicht betroffen – dafür ist die Schrottabholung da.
Was rechtlich gilt
Das Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG) erlaubt das Einsammeln von Elektroaltgeräten aus privaten Haushalten nur bestimmten Stellen – kommunalen Sammelstellen, rücknahmepflichtigen Händlern, Herstellern und beauftragten Dritten. Ein Schrottsammler darf Altgeräte bei dir zu Hause nicht mitnehmen; der Bußgeldrahmen reicht bis 50.000 €. Behandlung und Verwertung von Altgeräten sowie die gewerbliche Edelmetallrückgewinnung setzen zugelassene Anlagen und Erlaubnisse voraus; für das Einleiten von Abwasser gelten eigene Vorschriften. Schrottgeier vermittelt ausschließlich an Fachbetriebe, die schriftlich zusagen, keine Elektroaltgeräte aus Privathaushalten mitzunehmen.
Dieser Hinweis ersetzt keine Rechtsberatung.
Häufige Fragen zu Gold im Elektroschrott
Wie viel Gold steckt in einem Handy oder Computer?
Weniger, als die meisten vermuten, und je nach Modell, Baujahr und Bauteil sehr unterschiedlich. Seriöse Angaben je Gerät gibt es deshalb hier nicht. Fest steht: Es ist eine Beschichtung auf Kontakten, kein Stück Metall, und für einen einzelnen Haushalt ist daraus nichts zu holen.
In welchem Elektroschrott ist am meisten Gold?
Tendenziell in älterer Elektronik mit vielen Steckverbindern und großen Kontaktflächen, weil die Schichten früher dicker waren. Die Unterschiede sind aber kein Geschäftsmodell für Privatleute – die Rückgewinnung rechnet sich erst bei großen Mengen gleichartiger Platinen.
Kann ich Platinen verkaufen?
Es gibt Aufkäufer für sortierte Platinen, überwiegend im gewerblichen Bereich und mit eigenen Anforderungen an Sortierung und Menge. Für Privathaushalte lohnt der Aufwand in aller Regel nicht; der sichere Weg bleibt die Abgabe des kompletten Geräts.
Darf ich Gold selbst aus Elektronik herauslösen?
Davon raten wir ausdrücklich ab. Die dafür kursierenden Säure- und Laugenverfahren sind gesundheitsgefährlich, erzeugen Sonderabfall und dürfen nicht ins Abwasser gelangen; die gewerbliche Edelmetallrückgewinnung ist zudem an genehmigte Anlagen gebunden. Eine Anleitung findest du hier bewusst nicht.
Lohnt es sich, Elektromotoren oder Trafos auszubauen?
Hier geht es nicht um Gold, sondern um Kupfer in der Wicklung – und das kann sich bei größeren Mengen rechnen. Details stehen auf der Seite Elektromotoren. Ganze Geräte mit Netzteil oder Akku bleiben davon ausgenommen.
Bekomme ich für Elektroschrott Geld?
Als Privatperson in aller Regel nicht. Die Abgabe am Wertstoffhof und die Rücknahme im Handel sind kostenlos, aber unvergütet. Vergütet wird sortenreiner Metallschrott – die aktuellen Spannen dafür stehen im Preismonitor.
Quellen: Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG), Einsammelverbot für Altgeräte aus Privathaushalten und Rücknahmepflichten des Handels; Kreislaufwirtschaftsgesetz; Bundes-Immissionsschutzrecht und Wasserhaushaltsgesetz für Behandlungsanlagen und Abwasser; Funktion von Edelmetallbeschichtungen in der Elektronik: allgemeine Fachliteratur. Mengenangaben je Gerät werden bewusst nicht genannt, weil belastbare Werte modellabhängig sind. Preise: Preismonitor schrottgeier.de, Stand .
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