Schrottpreise
Gusseisen und Grauguss: Schrottpreis und Erkennung
Guss ist schwer, spröde und klingt dumpf – und genau daran erkennst du ihn. Für den Preis entscheidet, ob der Platz ihn getrennt annimmt.
Redaktion SchrottgeierZuletzt geprüft am 02.10.2026Quellen auf dieser Seite
Gusseisen wird als Schrott nach Gewicht abgerechnet und liegt je nach Einstufung zwischen zwei Sorten: sortenrein gesammelter Grauguss läuft über die Sorte Bremsscheiben, aktuell 0,18–0,23 €/kg, gemischt eingeworfener Guss dagegen als Stahl-Mischschrott bei 0,13–0,18 €/kg – Stand . Beide Sorten haben keine Börsennotierung; sie werden monatlich nach dem amtlichen Erzeugerpreisindex fortgeschrieben. Der wichtigste Hebel liegt also nicht am Kilopreis, sondern daran, ob dein Guss sauber und getrennt in einer eigenen Kiste liegt oder im Eisenhaufen verschwindet.
Woran erkennst du Gusseisen?
Guss und Stahl sind beide magnetisch, beide rosten, beide sind grau. Die Unterscheidung läuft deshalb über andere Merkmale – und die funktionieren im Alltag erstaunlich gut.
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- Schwer für seine Größe: Gussteile sind massiv gebaut, mit dicken Wandungen und Rippen. Ein Gussteil wirkt in der Hand immer schwerer, als es aussieht.
- Spröde statt biegsam: Das ist der klarste Unterschied. Stahl verbiegt sich, Guss bricht. Ein herunterfallender Gussradiator oder eine Pfanne springt oder reißt, statt eine Delle zu bekommen.
- Raue Oberfläche: Gussteile tragen die Spuren der Form – körnige, leicht wellige Flächen, oft mit sichtbarer Gussnaht und manchmal mit erhabenen Zahlen oder Buchstaben. Gewalztes Stahlblech ist dagegen glatt.
- Matte, körnige Bruchstelle: An einer frischen Bruchkante ist Grauguss dunkelgrau und körnig, fast wie feiner Sand. Stahl bricht heller und faseriger.
- Dumpfer Klang: Schlag mit einem Metallgegenstand dagegen. Guss antwortet dumpf und kurz, Stahl heller und mit Nachklang. Das ist der schnellste Test bei einem Heizkörper oder einem Rohr.
- Feilprobe: Grauguss lässt sich schlecht feilen und gibt dabei dunkles, krümeliges Pulver ab statt zusammenhängender Späne.
Der Magnet hilft hier nicht weiter – er haftet bei beiden. Nützlich ist er nur, um Aluminium und Buntmetall auszuschließen. Der komplette Entscheidungsweg für unbekannte Metalle steht im Ratgeber Metall bestimmen.
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Was ist typischerweise aus Guss?
Guss steckt überall dort, wo es auf Masse, Steifigkeit und Verschleißfestigkeit ankommt und wo Formen billiger zu gießen als zu schmieden sind:
- Gussradiatoren: die schweren Gliederheizkörper aus Altbauten. Ein 10-gliedriges Stück liegt nach Erfahrungswerten bei rund 50 bis 90 kg – Details auf der Seite Heizkörper.
- Badewannen und Waschbecken: emaillierte Gusswannen aus Sanierungen. Die Emailleschicht stört den Einschmelzprozess nicht wesentlich, macht aber den Transport schwer und scharfkantig. Mehr dazu im Ratgeber Badewanne entsorgen.
- Pfannen, Töpfe, Bräter, Ofentüren, Herdplatten: klassische Küchen- und Ofenteile, oft mit eingegossener Marke.
- Kanaldeckel, Gullyroste, Zaunpfosten, Ofenrohre: alles, was im Boden oder draußen steht und schwer sein soll.
- Maschinenbetten, Gehäuse, Ständer: das Fundament von Drehmaschinen, Fräsen, Sägen und Pressen. Guss dämpft Schwingungen, deshalb wird er im Maschinenbau bis heute eingesetzt.
- Motorblöcke, Zylinderköpfe, Kurbelgehäuse: ältere Motoren sind vielfach Guss, neuere häufig Aluminium. Achtung: Motoren müssen vollständig entölt sein, sonst nimmt sie kein Platz an.
- Bremsscheiben und Bremstrommeln: der sortenreine Klassiker, für den es am Platz eine eigene Box gibt – siehe Bremsscheiben.
Grauguss, Sphäroguss, Temperguss – was ist der Unterschied?
Alle drei sind Eisen-Kohlenstoff-Werkstoffe mit hohem Kohlenstoffanteil. Was sie unterscheidet, ist die Form, in der dieser Kohlenstoff im Material vorliegt – und damit das Bruchverhalten. Für den Schrottankauf reicht die qualitative Einordnung; niemand analysiert am Tor die Gefügestruktur.
| Sorte | Verhalten | Typisch bei |
|---|---|---|
| Grauguss | spröde, bricht ohne Verformung, dunkelgraue körnige Bruchfläche, dämpft Schwingungen gut | Bremsscheiben, Maschinenbetten, Radiatoren, Pfannen, Ofenteile |
| Sphäroguss (Gusseisen mit Kugelgraphit, GJS) | deutlich zäher, verformt sich vor dem Bruch ein Stück weit – Verhalten zwischen Guss und Stahl | Kanaldeckel, Rohrleitungen, Fahrwerks- und Getriebeteile, Pumpengehäuse |
| Temperguss | nachträglich wärmebehandelt, dadurch zäher als Grauguss, oft dünnwandigere Teile | Rohrfittings, Beschläge, kleinere Maschinen- und Fahrzeugteile |
Am Schrottplatz spielt diese Unterscheidung selten eine Rolle. Gehandelt wird meist schlicht als Guss oder Gießereischrott, getrennt wird höchstens nach Sauberkeit und Stückgröße. Wer größere sortenreine Mengen hat – eine Werkstatt mit Bremsscheiben, ein Betrieb mit Gussspänen –, sollte das aber ansprechen: Für Gießereien ist ein gleichmäßiger Einsatzstoff mehr wert als ein gemischter Haufen.
Warum wird Guss oft niedriger bewertet als Stahl?
Das überrascht viele, weil ein Gussteil so massiv wirkt. Die Gründe liegen in der Verarbeitung, nicht im Material selbst:
- Hoher Kohlenstoffanteil: Guss enthält deutlich mehr Kohlenstoff als Stahl. Im Stahlwerk ist das ein Störfaktor, weil er wieder herausgearbeitet werden muss. Der natürliche Abnehmer ist die Gießerei, nicht das Stahlwerk – und das ist ein kleinerer Markt.
- Nicht scherengängig: Dicke Gussteile lassen sich nicht einfach schneiden wie Blech, sondern müssen gebrochen oder mit dem Fallwerk zerkleinert werden. Das kostet den Platz Handling.
- Anhaftungen: Emaille an Wannen, Farbe an Radiatoren, Beton an Pfosten, Reste von Öl in Motorteilen. Alles wiegt mit, nichts davon wird bezahlt.
- Fremdmaterial im Teil: Stahlbolzen in Maschinenteilen, Alu-Töpfe an Verbundbremsscheiben, Kupferwicklungen in Pumpengehäusen. Je mehr davon drin bleibt, desto eher rutscht die Ware in den Mischschrott.
Umgekehrt gilt: Wo ein Platz eine eigene Annahme für Guss betreibt, kann sortenreiner, sauberer Guss über dem gemischten Eisen liegen. Das ist regional sehr verschieden und hängt daran, ob eine Gießerei in der Nähe abnimmt.
Guss richtig abgeben
- Vorher fragen Ein Anruf beim Platz klärt die entscheidende Frage: „Nehmt ihr Guss getrennt an?“ Lautet die Antwort ja, lohnt das Trennen. Lautet sie nein, sparst du dir die Mühe und gibst alles als Mischschrott ab.
- Getrennt sammeln Eine eigene Kiste oder ein eigener Haufen für Guss. Gemischtes Material wird nach der schlechtesten Sorte bezahlt – das ist die härteste Regel im Schrotthandel.
- Fremdteile entfernen Stahlschrauben, Alu-Anbauteile, Kupferrohre, Dichtungen, Kunststoff. Bei Motorteilen zusätzlich: vollständig entölt, keine Flüssigkeitsreste.
- Handhabbar machen Sehr große Stücke werden ungern angenommen, weil sie nicht in den Container passen. Guss bricht allerdings scharfkantig und splittert – Schutzbrille und feste Handschuhe sind hier keine Übertreibung.
- Wiegeschein verlangen Mit Sorte, Gewicht, Preis und Datum. Wenn Guss getrennt gewogen wurde, muss das auch so auf dem Schein stehen.
Lack, Rost und Emaille musst du nicht entfernen – der Aufwand steht in keinem Verhältnis zum Ergebnis und führt bei alten Anstrichen zusätzlich zu Gesundheitsrisiken beim Schleifen.
Selbst hinfahren oder abholen lassen?
Bei Guss ist die Ladung das Problem, nicht der Wert. Ein einzelner Gussradiator, eine Badewanne oder ein Maschinenständer sprengen Kofferraum und Rücken gleichermaßen. Kommt bei einer Sanierung mehr zusammen, kannst du eine Schrottabholung anfragen: Schrottgeier hat keinen eigenen Fuhrpark, ein geprüfter Fachbetrieb aus deiner Region holt ab und sagt dir vorher, ob das für ihn kostenlos möglich ist. Reines Eisen in Haushaltsmenge trägt die Fahrt oft nicht – Buntmetall im selben Haufen verändert die Rechnung. Für Betriebe mit laufendem Anfall ist ein Schrottcontainer mit Wiegeschein der passende Weg: Jede Leerung liefert einen Beleg über Sorte und Gewicht.
Häufige Fragen zu Gusseisen als Schrott
Was bringt Gusseisen pro Kilo?
Sortenrein gesammelter Grauguss läuft über die Sorte Bremsscheiben, derzeit 0,18–0,23 €/kg. Gemischt abgegeben wird Guss als Stahl-Mischschrott bei 0,13–0,18 €/kg bewertet. Ob dein Platz Guss überhaupt getrennt annimmt, ist regional verschieden – vorher fragen.
Wie unterscheide ich Guss von Stahl, wenn beide magnetisch sind?
Über Sprödigkeit, Oberfläche und Klang. Guss bricht statt sich zu verbiegen, hat eine raue, körnige Oberfläche mit Gussnaht und klingt beim Anschlagen dumpf. Stahl klingt heller und lässt sich verbiegen. An einer Bruchstelle ist Grauguss dunkelgrau und körnig.
Ist Gusseisen mehr wert als Stahlschrott?
Meistens nicht. Der hohe Kohlenstoffanteil macht Guss für Stahlwerke unattraktiv, und die Zerkleinerung ist aufwendiger. Wo eine Gießerei in der Nähe abnimmt, kann sauberer, sortenreiner Guss aber über dem gemischten Eisen liegen.
Muss ich Emaille von der Gusswanne abschlagen?
Nein. Emaille ist bei Gusswannen der Normalfall und wird in der Regel ohne Abzug angenommen. Abschlagen würde nur scharfe Splitter erzeugen. Halterungen, Füße aus anderem Material und Armaturen kommen dagegen ab – die Armaturen sind meist Messing und deutlich mehr wert.
Nimmt der Schrottplatz einen Motorblock an?
In der Regel ja, aber nur vollständig entölt und ohne Flüssigkeitsreste. Ölverschmierte Teile werden abgewiesen oder mit Abzug angenommen. Aluminiumteile am Motor gehören getrennt, sonst rutscht alles in die niedrigere Sorte.
Warum wird der Gusspreis nur monatlich aktualisiert?
Weil es für Eisen und Guss in Deutschland keine tägliche Börsennotierung gibt. Grundlage ist der amtliche Erzeugerpreisindex des Statistischen Bundesamts, der monatlich erscheint. Ein Tageswert würde eine Genauigkeit vortäuschen, die dieser Markt nicht hergibt – der Rechenweg steht in der Methodik.
Quellen: Preise aus dem Schrottgeier-Preismonitor, Basis ist der Erzeugerpreisindex für Sekundärrohstoffe aus Eisen- und Stahlschrott des Statistischen Bundesamts (GP09-383222000), ergänzt um die monatlichen Sortennotierungen der BDSV; Rechenweg in der Methodik. Erkennungsmerkmale und Annahmepraxis: eigene Recherche schrottgeier.de, September 2026. Gewichtsangaben zu Gussradiatoren: gerundete Erfahrungswerte, keine Herstellerdaten.