Ratgeber
Schmelzpunkt von Metallen: Tabelle und Überblick
Von Lötzinn, das schon unter 250 °C flüssig wird, bis zu Wolfram mit über 3.400 °C: Hier stehen die Schmelzpunkte der wichtigsten Metalle mit Quelle – und was sie für Schrott und Sicherheit bedeuten.
Die Schmelzpunkte von Metallen reichen von 231,9 °C bei Zinn bis 3.422 °C bei Wolfram. Dazwischen liegen die Metalle, die du vom Schrott kennst: Blei schmilzt bei 327,4 °C, Zink bei 419,5 °C, Aluminium bei 660,3 °C, Kupfer bei 1.085 °C und reines Eisen bei 1.536 °C. Legierungen wie Messing, Bronze, Stahl oder Lötzinn haben meist keinen festen Schmelzpunkt, sondern einen Schmelzbereich. Die Tabelle unten zeigt beides mit Quelle.
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Tabelle: Schmelzpunkte der wichtigsten Metalle
Reine Metalle mit Schmelzpunkt, Legierungen mit Solidus (beginnt zu schmelzen) und Liquidus (ganz flüssig). Werte gerundet, Quellen am Ende der Seite.
| Metall oder Legierung | Art | Schmelzen in °C | Typisch als Schrott |
|---|---|---|---|
| Lötzinn Sn63Pb37 | Legierung, eutektisch | 183 | alte Lötstellen, Lötdraht |
| Lötzinn bleifrei SAC305 | Legierung | 217–220 | Lötreste aus der Elektronik |
| Zinn | rein | 231,9 | Zinngeschirr, Lötzinn |
| Blei | rein | 327,4 | Dachblei, Rohre, Gewichte |
| Zink | rein | 419,5 | Dachrinnen, Fallrohre |
| Aluprofil EN AW-6060 | Legierung | 615–655 | Fensterrahmen, Profile |
| Aluminium | rein | 660,3 | Referenzwert |
| Bronze CuSn8 | Legierung | 860–1.040 | Gleitlager, Federn |
| Messing CuZn39Pb3 | Legierung | 875–890 | Armaturen, Drehteile |
| Messing CuZn37 | Legierung | 902–920 | Bleche, Rohre, Beschläge |
| Silber | rein | 961,8 | Besteck, Schmuck |
| Gold | rein | 1.064,2 | Schmuck, Kontakte |
| Kupfer | rein | 1.084,6 | Kabel, Rohr, Blech |
| Gusseisen | Legierung, eutektisch bei 4,3 % C | ab 1.147 | Heizkörper, Bremsscheiben |
| Stahl | Legierung, je nach Kohlenstoff | ca. 1.400–1.536 | Träger, Bleche, Mischschrott |
| Eisen | rein | 1.536 | Referenzwert |
| Titan | rein | 1.668 | Implantate, Luftfahrtteile |
| Wolfram | rein | 3.422 | Glühdrähte, Hartmetall |
Schmelzpunkt oder Schmelzbereich – der Unterschied
Ein reines Metall schmilzt bei genau einer Temperatur. Diese Punkte sind so zuverlässig, dass einige davon als Fixpunkte der Internationalen Temperaturskala ITS-90 dienen, mit der Thermometer weltweit kalibriert werden: Zinn, Zink, Aluminium, Silber, Gold und Kupfer gehören dazu.
Legierungen bestehen aus mehreren Metallen. Sie werden bei der Solidustemperatur weich und teigig und sind erst bei der Liquidustemperatur vollständig flüssig. Eine Ausnahme sind eutektische Mischungen wie das klassische Lötzinn Sn63Pb37: Sie schmelzen wie ein reines Metall bei einer Temperatur. Oft liegt der Schmelzbereich einer Legierung unter dem Schmelzpunkt ihres Hauptmetalls – Messing schmilzt früher als Kupfer, Stahl früher als reines Eisen.
Kupfer: 1.085 °C
Reines Kupfer schmilzt bei 1.084,62 °C, gerundet 1.085 °C. Die Datenblätter des Deutschen Kupferinstituts nennen für die technischen Sorten Cu-ETP (Kabel) und Cu-DHP (Rohr) 1.083 °C. Damit liegt Kupfer knapp über Gold und deutlich über Silber. Für Kupferschrott spielt der Schmelzpunkt beim Verkauf keine Rolle, wohl aber die Reinheit: Blanker Draht bringt mehr als Rohr mit Lötstellen. Was Kupfer wiegt und wie du es erkennst, steht unter Dichte von Kupfer, die aktuellen Spannen unter Kupfer Schrottpreis.
Stahl: Schmelzbereich je nach Kohlenstoff
Reines Eisen schmilzt bei 1.536 °C (manche Tabellen nennen 1.538 °C). Stahl ist Eisen mit in der Regel weniger als 2 % Kohlenstoff, so legt es die Norm EN 10020 fest. Jeder Zusatz senkt den Schmelzpunkt: Bei 2 % Kohlenstoff liegt er nur noch bei rund 1.400 °C. Einen einzigen Wert für „Stahl“ gibt es deshalb nicht.
Gusseisen enthält mehr Kohlenstoff und schmilzt deshalb noch früher. Im Eisen-Kohlenstoff-Diagramm liegt der tiefste Punkt bei 4,3 % Kohlenstoff und 1.147 °C. Deshalb lässt sich Gusseisen leichter gießen als Stahl – und darum bestehen Heizkörper und Bremsscheiben oft aus Guss. Mehr zu Gewicht und Sorten: Dichte von Stahl und Stahlschrott.
Messing und Bronze: Schmelzbereich statt Schmelzpunkt
Messing ist Kupfer mit Zink. Je mehr Zink, desto niedriger der Schmelzbereich. Das Deutsche Kupferinstitut nennt für CuZn37 902 bis 920 °C und für das Automatenmessing CuZn39Pb3 875 bis 890 °C. Messing mit nur 5 % Zink schmilzt dagegen erst zwischen 1.050 und 1.065 °C.
Dabei gibt es eine Besonderheit: Zink siedet schon bei 907 °C, also mitten im Schmelzbereich gängiger Messingsorten. Beim Schmelzen verdampft deshalb Zink und bildet an der Luft feinen Zinkoxidrauch. Wer ihn einatmet, kann Metalldampffieber bekommen, auch Zinkfieber oder Gießerfieber genannt – mit grippeähnlichen Beschwerden wie Fieber und Abgeschlagenheit. Auch das ist ein Grund, warum Messing nur in Betrieben mit Absaugung geschmolzen wird.
Zinnbronze CuSn8 schmilzt laut Kupferinstitut zwischen 860 und 1.040 °C – ein breiter Bereich, typisch für Bronzen. Wie du Messing und Bronze am Schrottplatz trennst, zeigt die Seite Messing Schrottpreis.
Zinn, Blei und Zink: die Niedrigschmelzer
Drei graue Metalle schmelzen schon unterhalb von 450 °C: Zinn bei 231,9 °C, Blei bei 327,4 °C und Zink bei 419,5 °C. Gerade weil sie so früh flüssig werden, liegt die Idee nahe, Reste selbst einzuschmelzen. Genau davon raten wir ab: Beim Erhitzen von Blei entstehen giftige Dämpfe und Rauch, die Technische Regel für Gefahrstoffe TRGS 505 behandelt das Schmelzen und Gießen von Blei deshalb als Tätigkeit mit besonderen Schutzmaßnahmen. Mehr zu Blei findest du unter Dichte von Blei und Blei Schrottpreis, zu Zink und Zinn unter Zink, Blei und Zinn.
Lot und Lötzinn
Lote sind Legierungen, die bewusst früher schmelzen als die Teile, die sie verbinden. Weichlote schmelzen unter 450 °C, Hartlote darüber. Das klassische Elektroniklot Sn63Pb37 wird bei 183 °C flüssig. Seit die EU-Richtlinie RoHS Blei in Elektrogeräten weitgehend verbietet, dominieren bleifreie Lote wie SAC305 aus Zinn, Silber und Kupfer mit einem Schmelzbereich von 217 bis 220 °C. Lötzinnreste und Lötdraht sind wegen des hohen Zinnanteils als Schrott interessant – was sie an der Börse wert sind, steht auf Zinn Schrottpreis.
Aluminium: 660,3 °C
Reines Aluminium schmilzt bei 660,3 °C, seine Legierungen früher: Die Profillegierung EN AW-6060 zwischen 615 und 655 °C, Aluminium-Silizium-Gusslegierungen ab der eutektischen Temperatur von 577 °C. Der niedrige Schmelzpunkt ist ein Grund, warum Recyclingaluminium nur einen Bruchteil der Energie von Neualuminium braucht. Alles dazu im Ratgeber Schmelzpunkt Aluminium.
Gold, Silber, Titan und Wolfram
- Gold: 1.064,2 °C. Knapp unter Kupfer. Schmuckgold ist eine Legierung, sein Schmelzbereich hängt vom Feingehalt ab. Mehr in Ist Gold magnetisch?.
- Silber: 961,8 °C. Das Edelmetall mit der höchsten elektrischen Leitfähigkeit schmilzt früher als Gold und Kupfer.
- Titan: 1.668 °C. Leicht, fest und hitzebeständig, daher gefragt in Luftfahrt und Medizintechnik. Titanschrott läuft als eigene Sorte, siehe Ist Titan magnetisch?.
- Wolfram: 3.422 °C. Der höchste Schmelzpunkt aller chemischen Elemente. Deshalb war Wolfram das Material für Glühdrähte.
Metall schmelzen gehört in den Fachbetrieb
Schmelzen und Gießen sind keine Heimwerkerarbeit. Bleidämpfe sind giftig, Zinkrauch aus Messing oder verzinktem Stahl kann Metalldampffieber auslösen, und schon wenig Wasser in einer Schmelze – aus einem feuchten Schrottteil oder Werkzeug – kann schlagartig verdampfen und flüssiges Metall herausschleudern. Gib Altmetall am Stück ab. Die Hütten und Gießereien, die es später einschmelzen, sind genau dafür ausgerüstet.
Was der Schmelzpunkt beim Schrott verrät
Zum Erkennen von Metallen taugt der Schmelzpunkt im Alltag nicht, dafür gibt es schnellere Proben: Magnet, Farbe, Gewicht und Ritzprobe. Wie das geht, zeigt der Ratgeber Metall bestimmen, die Dichten stehen in Dichte von Metallen. Der Schmelzpunkt erklärt aber, warum sortenreiner Schrott mehr bringt: Jedes Metall schmilzt anders, und jede Fremdbeimischung muss die Hütte später wieder herausholen oder einrechnen. Sortierst du vorher, bekommst du den Preis der besseren Sorte. Die aktuellen Spannen zeigt der Preismonitor, Stand . Und wenn es mehr wird, vermittelt dir Schrottgeier einen Fachbetrieb in deiner Region – mit dem Überblick über Plätze und Sorten bundesweit.
Häufige Fragen zum Schmelzpunkt von Metallen
Welches Metall hat den niedrigsten Schmelzpunkt?
Unter allen Metallen ist es Quecksilber, das schon bei Raumtemperatur flüssig ist. Unter den Metallen, die als Schrott anfallen, schmilzt Zinn mit 231,9 °C am frühesten, Lötzinn Sn63Pb37 sogar schon bei 183 °C.
Welches Metall hat den höchsten Schmelzpunkt?
Wolfram mit 3.422 °C. Das ist der höchste Schmelzpunkt aller chemischen Elemente.
Bei wie viel Grad schmilzt Stahl?
Je nach Kohlenstoffgehalt zwischen etwa 1.400 und 1.536 °C. Reines Eisen schmilzt bei 1.536 °C, jeder Kohlenstoffzusatz senkt den Wert.
Bei wie viel Grad schmilzt Messing?
Das verbreitete Messing CuZn37 schmilzt zwischen 902 und 920 °C. Je mehr Zink, desto früher schmilzt Messing.
Warum haben Legierungen einen Schmelzbereich?
Weil sie aus mehreren Metallen bestehen, die nicht bei derselben Temperatur flüssig werden. Zwischen Solidus und Liquidus ist die Legierung teigig. Eutektische Legierungen wie Sn63Pb37 sind die Ausnahme.
Bei welcher Temperatur schmilzt Kupfer?
Reines Kupfer schmilzt bei 1.084,62 °C, gerundet 1.085 °C.
Quellen: Erstarrungspunkte von Zinn (231,928 °C), Zink (419,527 °C), Aluminium (660,323 °C), Silber (961,78 °C), Gold (1.064,18 °C) und Kupfer (1.084,62 °C) als Fixpunkte der Internationalen Temperaturskala ITS-90 nach Wikipedia „International Temperature Scale of 1990“, abgerufen 21.09.2026; Blei (327,43 °C) nach Wikipedia „Blei“; Titan (1.668 °C) nach Wikipedia „Titan (Element)“; Leitfähigkeit von Silber nach Wikipedia „Silber“; Wolfram (3.422 °C, höchster Schmelzpunkt der Elemente) nach Wikipedia „Wolfram“; Siedepunkt Zink (1.180 K = 907 °C) nach Wikipedia „Zink“; reines Eisen (1.536 °C), Stahl bei 2 % Kohlenstoff (rund 1.400 °C) und Stahldefinition nach EN 10020 nach Wikipedia „Stahl“; Eutektikum Gusseisen (4,3 % C, 1.147 °C) nach Wikipedia „Eisen-Kohlenstoff-Diagramm“; Solidus- und Liquidustemperaturen von Cu-ETP, Cu-DHP, CuZn37, CuZn39Pb3 und CuSn8 nach Deutsches Kupferinstitut, Werkstoff-Datenblätter; Messing CuZn5 (1.050–1.065 °C) nach Wikipedia „Messing“; EN AW-6060 (615–655 °C) nach Hydro, Werkstoffdatenblatt; Aluminium-Silizium-Eutektikum (577 °C) nach Wikipedia „Aluminium-Silicium-Legierungen“; Weich- und Hartlote, Sn63Pb37 (183 °C) und RoHS nach Wikipedia „Lot (Metall)“; SAC305 (217–220 °C) nach Felder GmbH, Produktinformation Sn96,5Ag3Cu0,5; Metalldampffieber nach Wikipedia „Metalldampffieber“; Schmelzen und Gießen von Blei nach TRGS 505 „Blei“ (BAuA); Dampfexplosion nach Wikipedia „Physikalische Explosion“.
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