Ratgeber
Ist Gold magnetisch?
Kurze Antwort: nein. Der Magnet ist trotzdem ein gutes Werkzeug – er sortiert Fälschungen aus Stahl aus. Echtes Gold beweist er aber nicht.
Nein, Gold ist nicht magnetisch: Ein Haushalts- oder Neodym-Magnet haftet weder an einem Goldring noch an einer Goldmünze oder einem Barren. Physikalisch ist Gold diamagnetisch – es wird von einem Magnetfeld sogar ganz leicht abgestoßen, nur so schwach, dass du es mit der Hand nie spürst. Bleibt ein Magnet an einem „Goldstück“ hängen, ist es kein massives Gold. Umgekehrt gilt aber nicht: Haftet der Magnet nicht, ist das noch lange kein Beweis für Echtheit.
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Warum Gold nicht am Magneten haftet
Kräftig angezogen werden nur ferromagnetische Stoffe. Bei Raumtemperatur sind das Eisen, Nickel und Kobalt sowie Legierungen, in denen sie den Ton angeben, allen voran Stahl. In diesen Metallen richten sich die winzigen magnetischen Momente der Atome gemeinsam aus, das Material wird im Feld selbst zum Magneten.
Gold funktioniert anders. Seine Elektronen sind so angeordnet, dass sich ihre magnetischen Momente gegenseitig aufheben. Legst du ein Magnetfeld an, baut das Gold ein winziges Gegenfeld auf und weicht dem Magneten minimal aus. Wie schwach das ist, zeigt die Suszeptibilität, das Maß für die magnetische Reaktion eines Stoffs: Für Gold ist sie negativ und winzig, bei Eisen um viele Größenordnungen größer. Deshalb gibt es für dich im Alltag nur zwei Zustände: „haftet“ oder „haftet nicht“. Gold haftet nicht.
Wie sich alle anderen Metalle verhalten, steht in der Übersicht Welche Metalle sind magnetisch?.
Wenn Goldschmuck doch haftet
Schmuck besteht selten aus reinem Gold. Meist ist es eine Legierung, deren Goldanteil die Punze in Tausendsteln angibt: 333 heißt 333 Teile Gold von 1.000, 585 entspricht 14 Karat, 750 entspricht 18 Karat. Der Rest ist anderes Metall – und genau da wird es interessant. Zieht ein Schmuckstück am Magneten, steckt meist eine dieser Ursachen dahinter:
- Verschlüsse und Federn aus Stahl: Federringe, Karabiner und die kleinen Spiralfedern in Verschlüssen sind oft aus Stahl, auch an echten Goldketten. Teste deshalb die Kettenglieder, nicht den Verschluss. Haftet nur der Verschluss, sagt das über die Kette nichts.
- Weißgold mit Nickel: Weißgold bekommt seine helle Farbe durch Zusätze wie Nickel oder Palladium. Nickelhaltiges Weißgold kann auf einen sehr starken Neodym-Magneten allenfalls leicht reagieren, etwa indem eine frei hängende Kette ein wenig mitschwingt. Ein Haushaltsmagnet bleibt nicht kleben. Weil Nickel Allergien auslösen kann, setzen viele Hersteller heute auf Palladium.
- Vergoldeter Stahl: Modeschmuck, Uhrengehäuse oder Anhänger mit dünner Goldschicht über einem Stahlkern haften kräftig. Die Goldschicht ist hauchdünn, der Magnet greift durch sie hindurch auf den Stahl.
- Fälschungen mit Stahlkern: Billige Fälschungen von Münzen und kleinen Barren setzen manchmal auf Stahl oder Eisen im Inneren. Die fliegen beim Magnettest sofort auf.
Die Faustregel: Kräftiges Haften an der Fläche des Stücks heißt „kein massives Gold“. Ein leichtes Zucken bei einem sehr starken Magneten heißt „eine Legierung mit ferromagnetischem Anteil“ – nicht automatisch Fälschung.
Magnettest bei Goldbarren und Münzen
Bei Barren und Anlagemünzen ist der Magnet ein schneller erster Filter. Ein kleiner Neodym-Magnet genügt. Halte ihn an mehrere Stellen, auch an die Kanten. Bei einem echten Barren passiert nichts. Manche machen noch einen Rutschtest: Legst du einen starken Magneten auf einen schräg gehaltenen Barren, gleitet er spürbar gebremst hinunter. Das liegt nicht an Magnetismus, sondern an Wirbelströmen, die der bewegte Magnet im gut leitenden Metall erzeugt. Der Effekt zeigt nur, dass ein Leiter vorliegt – Kupfer oder Messing bremsen ebenfalls.
Was der Magnettest nicht zeigen kann, ist die entscheidende Grenze:
- Messing, Kupfer, Bronze und Blei haften nicht. Ein vergoldetes Stück aus einem dieser Metalle besteht den Magnettest problemlos.
- Wolfram haftet nicht. Wolfram ist paramagnetisch, also für einen Magneten praktisch unsichtbar. Vergoldete Wolframbarren oder Barren mit eingesetzten Wolframstäben sind seit Jahren als Fälschungsmethode bekannt.
Warum ausgerechnet Wolfram? Weil es fast genau so schwer ist wie Gold: Beide liegen bei rund 19,3 g/cm³. Damit hebelt Wolfram nicht nur den Magnettest aus, sondern auch die Dichteprobe. Blei (11,3 g/cm³), Silber (10,5 g/cm³), Messing und Stahl sind dagegen deutlich leichter – eine Fälschung daraus fällt beim Wiegen und Messen auf, weil sie für ihre Größe zu leicht oder für ihr Gewicht zu groß ist.
Echtheit sicher prüfen
Den Beweis liefert keine Einzelprobe, sondern das Zusammenspiel. Diese drei Schritte kannst du nacheinander gehen:
- Punze lesen Such mit einer Lupe nach der eingeschlagenen Zahl, meist an der Innenseite von Ringen oder am Verschluss. Übliche Feingehalte sind 333, 375, 585, 750 und 999. Achtung: In Deutschland ist die Angabe des Feingehalts freiwillig, und eine Punze lässt sich auch fälschen. Sie ist ein Hinweis, kein Beleg.
- Dichte per Wasserverdrängung Wiege das Stück auf einer Feinwaage. Dann stell ein Glas Wasser auf die Waage, tariere auf null und häng das Stück an einem dünnen Faden hinein, ohne dass es Boden oder Wand berührt. Die Anzeige in Gramm entspricht dem verdrängten Wasser und damit dem Volumen in Kubikzentimetern. Gewicht geteilt durch Volumen ergibt die Dichte. Feingold liegt bei 19,3; Legierungen wie 585 oder 750 liegen darunter, weil ihre Zusatzmetalle leichter sind. Bei kleinen Schmuckstücken wird die Messung schnell ungenau – für Barren und Münzen taugt sie besser.
- Fachhändler oder Scheideanstalt Dort wird mit Prüfsäuren auf dem Probierstein oder per Röntgenfluoreszenzanalyse (RFA) die Zusammensetzung bestimmt. Die RFA misst an der Oberfläche. Für Barren, bei denen ein Wolframkern möglich ist, gibt es Messverfahren, die ins Innere schauen. Frag konkret danach, bevor du ein größeres Stück kaufst oder verkaufst.
Mehr zu Dichte, Farbe und Klang als Prüfmethoden steht im Ratgeber Metall bestimmen.
Altgold gehört nicht auf den Schrottplatz
Schrottgeier vermittelt Schrott- und Containerdienste, keinen Edelmetallhandel – und wir nennen dir deshalb auch keinen Goldpreis. Schrotthändler kaufen Buntmetall und Stahl, Altgold in aller Regel nicht. Für Schmuck, Münzen, Barren und Zahngold sind Edelmetallhändler und Scheideanstalten die richtige Adresse. Hol dir mehrere Angebote ein und lass dir die Prüfung erklären. Unser Überblick von oben gilt Stahl und Buntmetall: Was Kupfer, Messing und Co. gerade bringen, zeigt der Preismonitor. Wo in Elektronik tatsächlich Gold steckt und warum sich Ausschlachten kaum lohnt, liest du unter Gold im Elektroschrott.
Platin im Vergleich: Ist Platin magnetisch?
Platin ist ebenfalls nicht magnetisch im Alltagssinn. Anders als Gold ist es aber nicht dia-, sondern paramagnetisch: Es wird von einem Magnetfeld minimal angezogen, jedoch so schwach, dass ein Magnet nicht daran haften bleibt. Für den Test mit dem Haushaltsmagneten macht das keinen Unterschied.
Einen Sonderfall gibt es beim Schmuck. Für Ringe und feine Gussteile wird Platin oft mit 5 Prozent Kobalt legiert, gestempelt meist als 950 oder Pt950. Weil Kobalt ferromagnetisch ist, gilt diese Legierung als leicht magnetisch: Platinschmuck daraus kann auf einen starken Magneten reagieren, ohne unecht zu sein. Auch hier gilt: Die Echtheit klärt die Prüfung im Fachhandel, nicht der Magnet. Platin ist übrigens mit rund 21,4 g/cm³ noch schwerer als Gold.
Wie sich das andere klassische Edelmetall verhält, steht unter Ist Silber magnetisch?.
Häufige Fragen: Ist Gold magnetisch?
Ist echtes Gold magnetisch?
Nein. Gold ist diamagnetisch und wird von einem Magneten minimal abgestoßen, was du nicht spürst. Ein Magnet bleibt an echtem Gold nicht haften.
Meine Goldkette haftet am Magneten – ist sie unecht?
Nicht unbedingt. Prüfe zuerst, ob nur der Verschluss haftet: Federringe und Karabiner sind oft aus Stahl. Haften die Kettenglieder selbst kräftig, ist die Kette kein massives Gold, sondern vergoldet oder mit Stahlkern.
Beweist ein negativer Magnettest, dass Gold echt ist?
Nein. Messing, Kupfer, Blei und Wolfram haften ebenfalls nicht. Der Magnet sortiert nur Fälschungen aus Stahl aus. Echtheit zeigen Punze, Dichte und die Prüfung beim Fachhändler zusammen.
Ist Weißgold magnetisch?
Meist nicht. Nickelhaltiges Weißgold kann auf einen starken Neodym-Magneten leicht reagieren, ein Haushaltsmagnet haftet aber nicht. Weißgold mit Palladium reagiert nicht.
Ist Platin magnetisch?
Nein, Platin ist paramagnetisch und viel zu schwach für einen Haushaltsmagneten. Platinschmuck mit Kobaltanteil kann bei einem starken Magneten leicht reagieren und ist trotzdem echt.
Kann ich Altgold beim Schrotthändler verkaufen?
In der Regel nicht. Schrotthändler handeln mit Stahl und Buntmetall. Für Goldschmuck, Münzen und Barren sind Edelmetallhändler oder Scheideanstalten zuständig.
Quellen: Gold diamagnetisch (molare Suszeptibilität −28,0·10⁻⁶ cm³/mol), Platin paramagnetisch (+201,9·10⁻⁶ cm³/mol) und Wolfram paramagnetisch nach den Infoboxen der Wikipedia-Artikel „Gold“, „Platinum“ und „Tungsten“ (Werte nach CRC Handbook of Chemistry and Physics), abgerufen 21.09.2026; Dichten Gold 19,3, Silber 10,5, Blei 11,3 g/cm³ nach Wikipedia „Densities of the elements (data page)“, Gold 19,32, Wolfram 19,3, Platin 21,4 g/cm³ nach TH Mittelhessen, Tabelle P „Dichte einiger Stoffe“; Messing 8,41–8,86 g/cm³ nach Wikipedia „Messing“, Stahl 7,85–7,87 g/cm³ nach Wikipedia „Stahl“; Wolfram-Fälschungen von Goldbarren nach Wikipedia „Tungsten“; Feingehalte und Freiwilligkeit der Feingehaltsangabe nach Wikipedia „Feingehalt“; Weißgold mit Nickel oder Palladium nach Wikipedia „Gold“ und „Goldlegierung“; Reaktion nickelhaltigen Weißgolds auf Neodym-Magnete nach Gutachterangaben (butschal.de, „Weißgold Nickeltest für Allergiker“); Platin mit 5 % Kobalt als leicht magnetische Schmucklegierung nach Ganoksin, „Platinum Alloy Applications for Jewelry“.
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