Ratgeber
Ist Silber magnetisch?
Kurze Antwort: nein. Mit Magnet, Punze und einem Eiswürfel trennst du trotzdem schon zu Hause Silber von Stahl und Besteck mit Silberauflage.
Nein, Silber ist nicht magnetisch: Ein Magnet haftet weder an einer Silberkette noch an einem Löffel aus Sterlingsilber oder an einer Silbermünze. Wie Gold und Kupfer ist Silber diamagnetisch – es wird von einem Magnetfeld minimal abgestoßen, was du im Alltag nicht bemerkst. Haftet ein „Silberstück“ kräftig am Magneten, ist es kein massives Silber. Haftet es nicht, fängt die eigentliche Prüfung erst an. Die Grafik zeigt dir drei Schritte, die du ohne Werkzeugkoffer machen kannst.
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Warum Silber nicht am Magneten haftet
Am Magneten kleben bleiben nur ferromagnetische Metalle, also Eisen, Nickel, Kobalt und Legierungen, in denen sie das Gefüge bestimmen, allen voran Stahl. Silber gehört nicht dazu. Seine Elektronen heben sich magnetisch gegenseitig auf; in einem Magnetfeld baut Silber ein winziges Gegenfeld auf und weicht aus. Diese Abstoßung ist so schwach, dass du sie nur mit Laborgeräten messen kannst.
Das gilt auch für Silberlegierungen. Sterlingsilber besteht zu 925 Tausendsteln aus Silber, der Rest ist meist Kupfer – ebenfalls diamagnetisch. Eine Kette aus 925er Silber haftet also genauso wenig wie Feinsilber. Die komplette Liste aller Alltagsmetalle findest du unter Welche Metalle sind magnetisch?.
Wenn doch etwas haftet, liegt es fast immer an einem von drei Gründen: Der Verschluss oder die Feder ist aus Stahl, das Stück ist versilberter Stahl, oder es hat einen Stahlkern. Teste bei Ketten deshalb die Glieder, nicht den Verschluss.
Eiswürfel- und Rutschtest: Was dahintersteckt
Zwei Hausmittel-Tests kursieren im Netz. Beide beruhen auf echter Physik – und beide haben Grenzen.
Der Eiswürfeltest nutzt die Wärmeleitfähigkeit. Silber leitet Wärme besser als jedes andere Metall, laut Tabellenwert mit rund 429 W/(m·K). Leg einen Eiswürfel auf ein massives Silberstück, etwa eine Münze oder einen Löffel. Das Metall zieht die Raumwärme so schnell nach, dass das Eis sichtbar zügig schmilzt, fast als läge es auf einer warmen Herdplatte. Auf Edelstahl mit nur rund 15 W/(m·K) schmilzt es deutlich langsamer. Der Haken: Kupfer liegt mit rund 401 W/(m·K) fast gleichauf, und auch Aluminium leitet gut. Ein schnell schmelzender Eiswürfel passt also zu Silber, beweist es aber nicht. Außerdem braucht der Test genug Material: Bei einem dünnen Ring merkst du kaum etwas.
Der Rutschtest funktioniert bei Barren und dicken Münzen. Hältst du das Stück schräg und lässt einen starken Neodym-Magneten darüber gleiten, rutscht er auffällig langsam hinunter. Das ist keine Anziehung, sondern Wirbelstrom: Der bewegte Magnet erzeugt im gut leitenden Metall elektrische Ströme, deren Magnetfeld ihn bremst. Liegt der Magnet still, wirkt nichts. Auch hier gilt: Kupfer bremst genauso. Der Test schließt Stahl und schlecht leitende Metalle aus, mehr nicht.
Silberbesteck: Sterling, 800er oder versilbert?
Beim Tafelsilber aus Omas Schublade ist die Frage meist nicht „echt oder falsch“, sondern „massiv oder versilbert“. Die Punze gibt die Antwort, du findest sie auf der Rückseite des Griffs.
| Punze | Bedeutung | Material |
|---|---|---|
| 800, 830, 835 | Silberanteil in Tausendsteln | massives Silber |
| 925 | Sterlingsilber, 925 Tausendstel | massives Silber |
| 40, 60, 90, 100, 120 | Gramm Feinsilber für 12 Gabeln und 12 Löffel | versilbert, dünne Silberschicht auf einem anderen Metall |
Die 90er-Auflage ist die häufigste, 100 steht für eine etwas dickere Schicht. Bei versilbertem Besteck steckt der Wert im Silber auf der Oberfläche; das Grundmetall darunter ist meist Neusilber, auch Alpaka genannt – eine Legierung aus etwa 47 bis 64 Prozent Kupfer, 10 bis 25 Prozent Nickel und 15 bis 42 Prozent Zink. Trotz des Nickels ist Neusilber nicht magnetisch, der Magnettest trennt versilbertes Neusilber-Besteck also nicht von echtem Silber. Hier hilft die Punze – oder eine abgenutzte Stelle, an der das Grundmetall unter der Silberschicht durchscheint.
Haftet ein Besteckteil dagegen am Magneten, ist der Kern Stahl – etwa bei versilbertem Stahl oder bei Besteck aus ferritischem Edelstahl, der ebenfalls haftet.
Echtheit prüfen: So gehst du vor
- Magnet Haftet das Stück kräftig an der Fläche, ist es kein massives Silber. Haftet es nicht, weiter.
- Punze Mit einer Lupe nach 800, 835, 925 oder 999 suchen, bei Besteck auch nach 90 oder 100. Die Angabe ist in Deutschland freiwillig und kann gefälscht sein – ein Hinweis, kein Beleg.
- Eiswürfel oder Dichte Der Eiswürfeltest grenzt Edelstahl aus. Genauer ist die Dichte: Gewicht in Gramm geteilt durch das Volumen, das du über das verdrängte Wasser misst. Reines Silber liegt bei rund 10,5 g/cm³. Wie die Messung geht, steht im Ratgeber Metall bestimmen.
- Fachhandel Säuretest oder Röntgenfluoreszenzanalyse beim Edelmetallhändler oder in der Scheideanstalt bringen Gewissheit über den Silbergehalt.
Ein zusätzlicher Hinweis ist das Anlaufen: Silber reagiert mit Schwefelverbindungen aus der Luft und bildet einen dunklen Belag aus Silbersulfid. Schwarz angelaufene Stücke sind also eher ein gutes Zeichen – beweisen allein aber auch nichts.
Altsilber gehört zum Edelmetallhandel
Schrottgeier vermittelt Schrott- und Containerdienste, keinen Edelmetallhandel, und nennt deshalb auch keinen Silberpreis. Schrotthändler kaufen Stahl und Buntmetall, Silberbesteck und Silberschmuck in aller Regel nicht. Dafür sind Edelmetallhändler und Scheideanstalten zuständig. Hol dir mehrere Angebote ein – bei versilbertem Besteck ist der Silberanteil gering, das sollte dir vorher klar sein. Den Überblick von oben behält Schrottgeier bei Stahl und Buntmetall – die Tageswerte stehen im Preismonitor. Wie es bei Gold aussieht, erklären wir unter Ist Gold magnetisch?, und wo Edelmetall in Elektronik steckt unter Gold im Elektroschrott.
Häufige Fragen: Ist Silber magnetisch?
Ist 925er Silber magnetisch?
Nein. Sterlingsilber besteht aus 925 Tausendsteln Silber, der Rest ist meist Kupfer. Beide Metalle sind diamagnetisch, ein Magnet haftet nicht.
Meine Silberkette hängt am Magneten – ist sie unecht?
Prüfe zuerst den Verschluss: Federringe und Karabiner sind oft aus Stahl. Haften die Kettenglieder selbst, ist die Kette versilberter Stahl oder hat einen Stahlkern.
Ist versilbertes Besteck magnetisch?
Meist nicht, denn der Kern besteht oft aus Neusilber, und das ist nicht magnetisch. Haftet ein Teil, ist der Kern Stahl. Ob massiv oder versilbert, zeigt die Punze: 800 oder 925 heißt massiv, 90 oder 100 heißt versilbert.
Funktioniert der Eiswürfeltest bei Silber?
Er ist ein Hinweis. Auf Silber schmilzt Eis wegen der hohen Wärmeleitfähigkeit sehr schnell. Kupfer und Aluminium leiten aber ähnlich gut, und bei dünnem Schmuck ist der Effekt gering.
Kann ich Altsilber beim Schrotthändler verkaufen?
In der Regel nicht. Silberbesteck, Münzen und Schmuck nehmen Edelmetallhändler oder Scheideanstalten an. Der Schrotthändler ist für Stahl und Buntmetall zuständig.
Quellen: Silber diamagnetisch (molare Suszeptibilität −19,5·10⁻⁶ cm³/mol), höchste Wärmeleitfähigkeit aller Metalle, Dichte 10,503 g/cm³ und Anlaufen durch Silbersulfid nach Wikipedia „Silver“ (Werte nach CRC Handbook of Chemistry and Physics), abgerufen 21.09.2026; Wärmeleitfähigkeit Silber 429, Kupfer 401, Messing 120, austenitischer Edelstahl 15 W/(m·K) nach Wikipedia „Wärmeleitfähigkeit“; Feingehalte 800, 830, 835, 925, 999 und Freiwilligkeit der Angabe nach Wikipedia „Feingehalt“; Besteckauflagen 40 bis 120 g je 12 Gabeln und 12 Löffel, Neusilber als Grundmetall nach Wikipedia „Besteck“; Zusammensetzung von Neusilber nach Wikipedia „Neusilber“; Sterlingsilber mit meist Kupfer als Rest nach Wikipedia „Sterling silver“; Kupfer-Nickel-Zink-Legierungen unmagnetisch nach Kupferverband e. V., „Kupfer-Nickel-Zink-Legierungen“; ferritischer Edelstahl ferromagnetisch nach Informationsstelle Edelstahl Rostfrei, Merkblatt 827.
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