Ratgeber
Schmelzpunkt von Aluminium
Aluminium wird schon bei gut 660 °C flüssig – weit früher als Kupfer oder Stahl. Das erklärt, warum Altalu so begehrt ist, und warum Schmelzen trotzdem in den Fachbetrieb gehört.
Der Schmelzpunkt von reinem Aluminium liegt bei 660,3 °C – er ist sogar ein Fixpunkt der internationalen Temperaturskala. Die Aluminiumlegierungen, aus denen Profile, Felgen und Gussteile bestehen, schmelzen früher und nicht bei einer festen Temperatur, sondern in einem Bereich: Die Profillegierung EN AW-6060 zum Beispiel zwischen 615 und 655 °C. Zum Vergleich: Kupfer wird erst bei 1.085 °C flüssig, Eisen bei 1.536 °C. Dieser niedrige Schmelzpunkt ist ein Grund, warum Aluminium beim Recycling so viel Energie spart.
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Schmelzpunkt oder Schmelzbereich?
Ein reines Metall hat einen scharfen Schmelzpunkt: Unterhalb ist es fest, darüber flüssig. Bei Aluminium sind das 660,323 °C, so steht es als Erstarrungspunkt in der Internationalen Temperaturskala ITS-90, mit der weltweit Thermometer kalibriert werden. Tabellenwerke runden unterschiedlich, du findest deshalb auch 660 oder 660,2 °C.
Legierungen verhalten sich anders. Sie beginnen bei der Solidustemperatur zu schmelzen und sind erst bei der Liquidustemperatur ganz flüssig. Dazwischen ist das Metall teigig. Zwei Beispiele, die dir als Schrott ständig begegnen:
- Profile, Fensterrahmen, Rohre: meist Aluminium-Magnesium-Silizium-Legierungen wie EN AW-6060. Das Werkstoffdatenblatt von Hydro nennt einen Schmelzbereich von 615 bis 655 °C.
- Gussteile wie Felgen, Zylinderköpfe, Getriebegehäuse: meist Aluminium-Silizium-Gusslegierungen. Im System Aluminium-Silizium liegt die eutektische Temperatur bei 577 °C – ab hier werden diese Legierungen teilweise flüssig.
Für die Praxis heißt das: Je mehr Legierungselemente, desto früher wird Aluminium weich. Für den Schrott ist das kein Nachteil, im Gegenteil. Die Hütte sortiert und mischt die Sorten so, dass wieder genormte Legierungen entstehen. Genau deshalb zahlt der Handel für sortenreines Material mehr.
Warum Recycling so viel Energie spart
Neues Aluminium, sogenanntes Primäraluminium, entsteht aus Bauxit. Daraus wird zunächst Tonerde gewonnen, die anschließend in der Schmelzflusselektrolyse mit sehr viel Strom zu Metall zerlegt wird. Für Recyclingaluminium fällt dieser Schritt weg: Der Schrott wird sortiert, gereinigt und umgeschmolzen – bei den vergleichsweise niedrigen Temperaturen, die du oben gesehen hast.
Das International Aluminium Institute hat den Unterschied für 2019 beziffert: 186 Gigajoule je Tonne für Primäraluminium, 8,3 Gigajoule je Tonne für Recyclingaluminium. Das Recycling spart also rund 95 % der Energie. Aluminium lässt sich dabei immer wieder umschmelzen, ohne dass das Metall selbst verbraucht wird. Mehr zur Preisbildung und zu diesen Zahlen findest du auf Aluminiumpreis.
Für dich als Verkäufer steckt darin der Grund, warum Altalu einen guten Preis bringt: Aluprofile liegen derzeit bei 1,78–2,37 €/kg, Stand . Welche Alusorten es gibt und was sie bringen, zeigt die Seite Aluminium Schrottpreis.
Aluminium erkennen: leicht und nicht magnetisch
Bevor Aluminium in die richtige Kiste kommt, musst du es erkennen. Dabei hilft dir nicht der Schmelzpunkt, sondern zwei einfache Proben. Erstens das Gewicht: Mit 2,70 g/cm³ wiegt Aluminium nur etwa ein Drittel so viel wie Stahl. Mehr dazu in Dichte von Aluminium. Zweitens der Magnet: Aluminium haftet nicht. Zieht der Magnet, steckt eine Stahlschraube, ein Einleger oder ein Stahlteil drin – siehe Ist Aluminium magnetisch?. Solche Fremdteile vor der Abgabe entfernen, dann bleibt die Sorte sauber.
Aluminium nicht zu Hause schmelzen
Aluminiumschmelze ist über 600 °C heiß. Das größte Risiko ist Feuchtigkeit: Gerät Wasser in flüssiges Metall – aus einem nassen Schrottteil, einem feuchten Werkzeug oder sogar Schnee am Schuh –, verdampft es schlagartig und kann die Schmelze herausschleudern. Fachleute nennen das Dampfexplosion. Dazu kommen Lacke, Kunststoffreste und Beschichtungen, die beim Erhitzen verbrennen und Rauch bilden. Gieß- und Schmelzarbeiten gehören in einen Fachbetrieb mit passender Anlage und Schutzausrüstung.
Vom Altalu zur neuen Legierung: was du beitragen kannst
Den Schmelzofen überlässt du der Hütte. Den größten Hebel für den Wert hast du trotzdem selbst in der Hand:
- Sortieren Profile, Bleche, Guss und Späne getrennt sammeln. Gemischtes Aluminium wird meist in eine schwächere Sorte eingestuft.
- Fremdstoffe entfernen Stahlschrauben, Dichtungen, Kunststoffabdeckungen und Glas ab. Der Magnet zeigt dir, wo noch Stahl sitzt.
- Trocken lagern Nasse oder verschmutzte Ware kostet beim Wiegen und in der Schmelze.
- Abgeben Kleine Mengen bringst du zum Schrottplatz. Fällt mehr an, etwa beim Fenstertausch oder in der Werkstatt, vermittelt dir Schrottgeier einen Fachbetrieb in deiner Region, der abholt oder einen Behälter stellt.
Wie die Schmelzpunkte von Aluminium, Kupfer, Stahl, Zinn und Blei im Vergleich aussehen, zeigt der Ratgeber Schmelzpunkt Metalle.
Häufige Fragen zum Schmelzpunkt von Aluminium
Bei welcher Temperatur schmilzt Aluminium?
Reines Aluminium schmilzt bei 660,3 °C. Legierungen schmelzen früher und in einem Bereich, die Profillegierung EN AW-6060 etwa zwischen 615 und 655 °C.
Schmilzt Alu-Guss früher als Alu-Blech?
Oft ja. Bei Aluminium-Silizium-Gusslegierungen liegt die eutektische Temperatur bei 577 °C – ab dort werden sie teilweise flüssig, deutlich unter dem Schmelzpunkt von reinem Aluminium.
Wie viel Energie spart Aluminiumrecycling?
Rund 95 %. Laut International Aluminium Institute brauchte Primäraluminium 2019 weltweit 186 Gigajoule je Tonne, Recyclingaluminium 8,3 Gigajoule.
Hat Aluminium einen niedrigeren Schmelzpunkt als Stahl?
Ja, deutlich. Stahl schmilzt je nach Kohlenstoffgehalt zwischen etwa 1.400 und 1.536 °C, also gut 700 bis fast 900 °C später als Aluminium.
Kann ich Aluminium zu Hause einschmelzen?
Davon raten wir ab. Schon wenig Feuchtigkeit kann in der Schmelze eine Dampfexplosion auslösen. Gib Altalu sortiert beim Schrottplatz oder über einen Fachbetrieb ab.
Quellen: Schmelzpunkt von Reinaluminium als Erstarrungspunkt der Internationalen Temperaturskala ITS-90 (933,473 K = 660,323 °C) nach Wikipedia „International Temperature Scale of 1990“, abgerufen 21.09.2026; Wikipedia „Aluminium“ nennt 660,2 °C und die Dichte 2,6989 g/cm³; Schmelzbereich EN AW-6060 (615–655 °C): Hydro, Werkstoffdatenblatt Stranggepresste Profile EN AW-6060; eutektische Temperatur Aluminium-Silizium (577 °C) und Einsatz als Gusswerkstoff nach Wikipedia „Aluminium-Silicium-Legierungen“; Kupfer (1.084,62 °C) nach ITS-90; Stahl (1.536 °C reines Eisen, rund 1.400 °C bei 2 % Kohlenstoff) nach Wikipedia „Stahl“. Energiebedarf Primär- und Recyclingaluminium (186 bzw. 8,3 GJ/t, Stand 2019): International Aluminium Institute, „Aluminium recycling saves 95% of the energy needed for primary aluminium production“. Dampfexplosion bei Kontakt von Wasser mit Metallschmelze, Beispiel Aluminiumschmelze: Wikipedia „Physikalische Explosion“. Preise: Preismonitor schrottgeier.de, Rechenweg in der Methodik.
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